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"Fundament und Firmament" von Wiglaf Droste

Buchcover: "Tisch und Bett" von Wiglaf Droste

"Fundament und Firmament" von Wiglaf Droste

Wiglaf Droste war ein begnadeter Satiriker sowie ein ausgewiesener Polemiker und wurde von Willi Winkler als "Tucholsky von heute" bezeichnet. 2019 ist Wiglaf Droste gestorben, jetzt ist unter dem Titel "Tisch und Bett" ein Gedichtband des Dichters und Sängers erschienen.

Es gibt wohl keinen Dichter, der es geschafft hat, sich so grundlegend mit Gott und der Welt anzulegen, wie der 1961 in Herford geborene Wiglaf Droste. Dass er mit seinen geschliffenen Wort-Attacken jetzt heiter weiter den Himmel aufmischt, ist dabei ganz und gar nicht auszuschließen.

Dabei war Wiglaf Droste nur ein Teilzeit-Säulenheiliger der linken Szene, denn auch die fiel in Form von Hasstruppen selbsterklärter „Autonomer“ oder Feministinnen regelmäßig in seine Lesungen ein, wo sie mit Trillerpfeifen oder Eimer voller Fäkalien ihr bizarres Verständnis von Meinungs- und Kunstfreiheit vorstellten. Was bleibt, ist der vorzügliche Dichter Wiglaf Droste, und dem macht in der deutschsprachigen Literatur keiner was vor, was Polemik in Versen angeht.

"Tisch und Bett" zeigt aber auch einen zärtlichen Droste, den es schon immer gab, der aber vielleicht in der öffentlichen Wahrnehmung etwas zu kurz gekommen ist. Da beschwört der Dichter seine "Süße" in "Sorgen, Morgen, Pillepalle", sich doch keine Sorgen über die Zukunft zu machen, und verspricht am Ende: "Lebe, du Schöne, dein ganzes Leben / Was ich dazu geben kann, das will ich dir geben." Ja, das kann das alte Raubein Wiglaf Droste auch. Aber keine Angst, Wiglaf Droste nimmt sich natürlich auch in diesem Gedichtband den allgemeinen Stumpfsinn vor, und das wie gehabt, zumeist mit dem Florett, seltener mit dem Säbel.

Ansonsten hat er sich in diesem Gedichtband dringender Fragen für- und vorsorglich poetisch angenommen. Gar wundervoll sind des Dichters Nonsens-Verse wie in "Gestern, heute, morgen" – der Verdichtung eines Liebes-Dramas anhand von Zigarettenmarken mit dem schönen Schluss: "Sie sagte dann: ich glaub das wars / und rauchte eine Gauloises." Wiglaf Droste konnte eben alles, wie auch das fast schon altersweise Gedicht "Fundament und Firmament" zeigt, ein harmonisches Zwiegespräch, wo Funda- und Firmament übereinkommen, dass sie beide nötig sind zum Glück.

Wiglaf Droste hat den schönen Satz geprägt, "Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv." Wenn man seine Gedichte unter dieser Prämisse liest, dann versteht man, warum Tucholsky einen anderen schönen Satz geprägt hat: "Satiriker sind beleidigte Idealisten." "Tisch und Bett" ist ein – im wahrsten Sinne des Wortes – herausragendes Buch von einem ebensolchen Kopf.

Eine Rezension von Matthias Ehlers

Literaturangaben:
Wiglaf Droste: Tisch und Bett. Gedichte
Verlag Antje Kunstmann, 256 Seiten, 18 Euro

Stand: 14.02.2020, 13:13