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"Golden" aus "Die weiße Pest" von Matthias Buth

Buchcover: "Die weiße Pest" von Matthias Buth

Aktuelly Lyrik

"Golden" aus "Die weiße Pest" von Matthias Buth

Lyrik unter pandemischen Umständen: Matthias Buth rückt in seinem neuesten Buch "Die weiße Pest – Gedichte in Zeiten der Corona" dem Virus poetisch auf den Leib. Ohne Maske.

Wer bei dem Untertitel "Gedichte in Zeiten der Corona" glaubt, hier dreht sich ein Dichter allein im Kreis um Covid 19, liegt etwas daneben. Corona höchstpersönlich spielt zwar in einigen Gedichten eine tragende Rolle, dürfte aber eher als Überschrift für eine Zeit gesehen werden, in deren Kontext die hier versammelten Gedichte zu sehen sind.

Groß ist der Kosmos des gelernten Juristen und Dichters Matthias Buth, der 1951 in Wuppertal geboren wurde. Und umfangreich ist sein neuestes Werk. Mehr als 230, mit Ausnahmen ungereimte Gedichte, sind zu lesen, und sie führen uns die Welt des Matthias Buth, der nicht nur ein fleißiger Mensch ist. Matthias Buth ist ein aufmerksamer und detailgenauer Beobachter von so ziemlich allem, was zwischen Himmel und Erde existiert, und ist im Besitz einer wortreichen, metaphern- und bilderreichen Sprache, die ihm eine tiefenwirksame Erfassung seiner Themen ermöglicht.

Da gibt es immer wieder musikalische Verweise, so auf Schubert, Schumann oder Mendelssohn, die seinen Gedichten eine leichte Intonation verleihen. Mit Matthias Buth hören wir ein "Trippelkonzert aus Teich und Park und Haus", wir sind in Havana, am Bodensee im Mai, hören über "Guantanamo-Organe", lesen von Aldi, Papst Franziskus, Kara Ben Nemsi und der Liebe in Zeiten der Corona. Und wir sehen das neu im Diskurs befindliche Wortmonster "Übersterblichkeitsrate" zu Versen verdichtet.

Über allem nämlich und nicht nur in Zeiten der Corona liegt der Geruch des Todes, des Verneinten, der aber so sicher eintrifft, wie das nächste mutierte Virus. "Die weiße Pest – Gedichte in Zeiten der Corona" beherbergt eine exzellente Sammlung vieler, brillanter Gedichte, die guten Trost und fröhliche Irritation gleichermaßen bieten – und das nicht nur in pandemischen Zeiten.

Eine Rezension von Matthias Ehlers

Literaturangaben:
Matthias Buth: Die weiße Pest. Gedichte in Zeiten der Corona
PalmArtPress, 266 Seiten, 24 Euro

Stand: 05.02.2021, 14:16