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"Der Sohn" aus "Die Vogelstraußtrompete" von Clemens J. Setz

Buchcover: "Die Vogelstraußtrompete" von Clemens J. Setz

Aktuelle Lyrik

"Der Sohn" aus "Die Vogelstraußtrompete" von Clemens J. Setz

Für sein Gesamtwerk erhält Clemens Johann Setz die bedeutendste Auszeichnung für Schriftstellerinnen und Schriftsteller deutscher Sprache: den Georg-Büchner-Preis. Und das, obwohl er erst 39 Jahr alt ist.

Damit ist Clemens J. Setz der drittjüngste Träger des Georg-Büchner-Preises – nach Hans Magnus Enzensberger und Durs Grünbein. Das ist insofern bemerkenswert, weil Preisvergaben ja dahin tendieren, ältere, arrivierte und geduldig wartende Schriftstellerinnen und Schriftsteller auszuzeichnen.

Umso besser, dass die 50.000 Euro jetzt an einen jungen Autor gehen, der noch einige Schaffensjahre vor sich haben wird. Für Richard Kämmerlings war Setz schon früh "das größte Genie der jüngeren Literatur" ("Die Welt"), für Iris Radisch die "jüngste Hoffnung der deutschen Gegenwartsliteratur" ("Die Zeit").

Dieses Lob bezog sich auf seinen Erzähl-Band "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes", gekrönt 2011 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse im Bereich Belletristik. Damals hieß es in der Begründung der Jury: "Täuschende Nachbarn, Prügelorgien der Kunst, verrückende Maschinen – diese Erzählungen locken den Leser in ein Labyrinth aus Zärtlichkeit, Gewalt, Liebe und Gemeinheit."

Einem größeren Publikum wurde Clemens J. Setz mit dem 2015 erschienenen Roman "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre" bekannt. Einer Geschichte, die von einem Menschen im Rollstuhl erzählt, der im Heim regelmäßig von einem Mann besucht wird, den er als Stalker verfolgt hat und dessen Frau als Folge des Stalkings Selbstmord beging.

Aber neben Erzählungen, Romanen, Theaterstücken hat der österreichische Schriftsteller immer schon gute Lyrik geschrieben. Sein an dieser Stelle bereits vorgestellter und als sehr lesenswert befundener Gedichtband "Die Vogelstraußtrompete" zeigte einen "fröhlich-verspielten und obskur-skurrilen Dichter".

Das gilt auch für das Gesamtwerk von Clemens J. Setz: fröhlich, verspielt, skurril, sprach-experimentell, bisweilen drastisch, aber auch anrührend und mit feinen Sensoren für die kleinen und großen absurden Dinge in unserer Lebens-Wirklichkeit.

Mit Clemens J. Setz, der durch Ernst Jandl zur Literatur kam, wird ein Schriftsteller geehrt, dem die Jury des Georg-Büchner-Preises in ihrer Begründung attestiert: "Mit staunenswerter Vielseitigkeit demonstriert er eine radikale Zeitgenossenschaft, welche Buch um Buch die Schönheit und den Eigensinn großer Literatur beglaubigt."

Bleibt an dieser Stelle nur noch anzumerken: eine gute Wahl!

Eine Rezension von Matthias Ehlers

Literaturangaben:
Clemens J. Setz: Die Vogelstraußtrompete. Gedichte
Suhrkamp, 88 Seiten, 16 Euro

Stand: 23.07.2021, 13:00