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"der schlaf am bach" von Norbert Hummelt

Buchcover: "Sonnengesang" von Norbert Hummelt

Aktuelle Lyrik

"der schlaf am bach" von Norbert Hummelt

Es zuckt die Libelle, es weckt die Ringeltaube, der Adler wirft Schatten, und Töne aus dem Funk stimmen öde, während der Kuckuck achtmal ruft. Norbert Hummelt betet die Natur in ihren verschiedenen Erscheinungsformen an.

Norbert Hummelts neunter Gedichtband "Sonnengesang" verweist im Titel auf Franz von Assisi. Der Heilige hatte am Ende seines Lebens den berühmt gewordenen "Sonnengesang" verfasst, einen Anbetungstext, der den Schöpfungen Gottes gewidmet ist.

So inspiriert wenden sich Norbert Hummelts hier versammelte Gedichte flugfähigen Geschöpfen, Blumen, Hauswänden, Bach, Streuobstwiesen und der Liebe zu. Detailreich und konzentriert nimmt der 1962 in Neuss geborene Norbert Hummelt seine Umgebung wahr, denen er andere Perspektiven abgewinnt als herkömmliche.

Was Norbert Hummelt sieht und empfindet, verdichtet er in zugänglichen Versen, nicht selten mit Binnenreim. Da dem Autor nach eigener Auskunft zu Hause das Gedichte schreiben schwerfällt, erleben wir Norbert Hummelt draußen und unterwegs. Und auch wenn nicht alles von Dauer ist, was an dem Dichter vorbeirauscht und was ihn beschäftigt, so ist es doch immer wert beschrieben und gepriesen zu werden.

Die Gedichte von Norbert Hummelt sind, auf nicht unangenehme Weise, eigentümlich konservativ und damit jeder modernistischen Attitude fremd. Seine Verswerke haben einen ganz eigenen, leicht betörenden Klang und führen den Leser*in die spezifische Wahrnehmungswelt des Autors.

Wer diese noch nicht kennt, kann das jetzt mit dem "Sonnengesang" nachholen und dabei gleichzeitig einen zeitgenössischen und auflagenstarken Lyriker kennenlernen.

Eine Rezension von Matthias Ehlers

Literaturangaben:
Norbert Hummelt: Sonnengesang. Gedichte
Luchterhand Verlag, 94 Seiten, 20 Euro

Stand: 11.12.2020, 14:34