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Heiliger Gletscherbach

Heiliger Gletscherbach

Jahr für Jahr pilgern Millionen Gläubige zum heiligen Fluss Ganges. Massentourismus und Klimaerwärmung bedrohen die Quellregion im indischen Hochgebirge. Katharina Nickoleit ist mit den Pilgern in den Himalaya zur Gangesquelle gezogen.

Drei Sadus, Pilger, zu Fuß unterwegs

Diese Sadus sind nur drei von fünf Millionen Pilgern, die sich jedes Jahr zur Quelle des Ganges aufmachen. Anders als die meisten Gläubigen sind die Eremiten zu Fuß unterwegs.

Diese Sadus sind nur drei von fünf Millionen Pilgern, die sich jedes Jahr zur Quelle des Ganges aufmachen. Anders als die meisten Gläubigen sind die Eremiten zu Fuß unterwegs.

In dem Dorf Gangotri endet die Straße kurz vor der Baumgrenze. Der Ort gilt als heilig, denn hier soll die Göttin Ganga als Fluss vom Himmel gestiegen sein. Hier oben heißt der Fluss noch Bhagirathi River.

Mit dem wachsenden Wohlstand der Inder steigt auch die Zahl derjenigen, die sich eine solche Pilgerreise leisten können. Die Masse der Gläubigen überfordert die Infrastruktur der Bergregion.

Hier oben ist der aus einem Gletscher entspringende Ganges ein eiskalter, reißender Bergbach. Die Gläubigen hält das nicht von ihrem "Holy Dip", dem "Heiligen Bad", ab.

Priester bieten gegen eine Spende eine Zeremonie an. Sie segnen auch das Wasser, das die Pilger von ihrer Wallfahrt in Kanistern mit nach Hause nehmen. Ihm wird heilende Wirkung zugeschrieben.

Vor allem während der jedes Jahr im Mai stattfindenden Char-Dham-Wallfahrt muss das Örtchen jeden Tag tausende Besucher verkraften. Die einfachen Hotels, in denen sie wohnen, leiten die Abwässer direkt in den Fluss, mag er auch noch so heilig sein.

Die Pilger kommen aus ganz Indien. Manche haben wochenlange Reisen hinter sich. In der langen Schlange kurz vor dem Ziel, dem Gangestempel, herrscht eine ausgelassene und erwartungsvolle Stimmung.

Die vielen Menschen hinterlassen auch jede Menge Müll. Allein die leeren Wasserflaschen zu entsorgen, erfordert einiges an Logistik. Erst seit kurzem gibt es Abfalleimer und eine Müllabfuhr.

Die eigentliche Quelle des Ganges liegt 18 Kilometer nördlich von Gangotri im Gletschertor des Gangotri-Gletschers. Wegen der Klimaerwärmung müssen die Pilger jedes Jahr etwas weiter wandern, um das Tor zu erreichen.

Nur wenige Gläubige machen sich auf den beschwerlichen Weg von Gangotri bis zur Quelle. Das liegt auch daran, dass das Gebiet inzwischen unter Schutz gestellt wurde und täglich nur 150 Wandergenehmigungen dafür ausgestellt werden.

In den Sommermonaten leben in den Felshöhlen am Ganges Eremiten, die ihre Zeit fast ausschließlich mit Meditation verbringen. Nur selten wandern sie hinunter ins quirlige Gangotri.  

Je weiter die Pilger Richtung Gletscher wandern, desto ruhiger wird es am Ufer des Flusses – und desto kälter sein Wasser.

Die Zahl der Bäume nimmt flussaufwärts nicht nur wegen der Höhe ab, sondern auch, weil Generationen von Pilgern sie abholzten, um daraus Wanderstöcke zu machen oder ein Feuer anzuzünden.
Autorin des Features: Katharina Nickoleit, Bilder: Christian Nusch

Stand: 28.06.2019, 12:04 Uhr