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Auffangstationen in Indien - wie Auswilderung funktioniert

Auffangstationen in Indien - wie Auswilderung funktioniert

Weltweit sinkt der Bestand an Wildtieren dramatisch. In einer Wildtierauffangstation im Nordosten Indiens wird deshalb jedes einzelne Tier aufgepäppelt. Unsere Reporterin Katharina Nickoleit hat sich das angeschaut.

Mehrere Nashörner warten auf Futter

In der Auffangstation des Wildlife Trust of India im Ostindischen Bundesstaat Assam warten die kleinen Nashörner ungeduldig auf ihre Mahlzeit. Sie alle sind Waisen.

In der Auffangstation des Wildlife Trust of India im Ostindischen Bundesstaat Assam warten die kleinen Nashörner ungeduldig auf ihre Mahlzeit. Sie alle sind Waisen.

Die Nashörner stammen aus dem Kaziranga-Nationalpark. Jedes Jahr werden während der Regenzeit bei der Überflutung des Sumpfgebietes Jungtiere von ihren Müttern getrennt. Alleine hätten sie keine Überlebenschance.

Der Appetit der Nashörner ist gewaltig. Sie werden alle zwei Stunden gefüttert und trinken ihre Drei-Liter-Flaschen jedes Mal in wenigen Zügen leer.

Eigentlich sollen die Pfleger die Tiere nicht unnötig anfassen, damit sie ihre natürliche Scheu vor den Menschen behalten. Doch so niedlich, wie die Riesenbabys sind, fällt es manchmal schwer diese Regel einzuhalten.

Die Wildtierauffangstation wird von der internationalen Tierschutzorganisation IFAW unterstützt. Sie ist in ganz Indien einzigartig, weshalb manchmal Waisenkinder aus weiter entfernten Regionen hier aufgenommen werden.

In der Küche der Auffangstation wird neun Mal am Tag eine spezielle Aufzuchtmilch angerührt. Nachdem die Nashörner abgefüttert sind, kommen die Elefanten dran.

Auch die Elefantenbabys warten schon auf ihre Milch. Sie leben in einer kleinen Herde, so wie sie es auch in der freien Wildbahn tun würden – nur, dass hier die Muttertiere fehlen.

Elefanten legen in der Natur weite Wege zurück, die oft von Straßen, Eisenbahnstrecken und Siedlungen durchschnitten sind. Die Jungen fallen oft in Gräben oder werden durch den Verkehr von ihrer Herde getrennt.

Weil sich die intelligenten Tiere schnell an Menschen gewöhnen, ist Abstand halten hier noch wichtiger als bei den Nashörnern.

Die Auswilderung von Vögeln, wie diesem kleinen Storch, ist einfach. Er wird in einem abgeschirmten Sumpf lernen, selbst Fische zu fangen und eines Tages einfach davon fliegen.

Auch dieser Leopard wurde mit der Hand aufgezogen. Er kann nicht wieder ausgewildert werden. Im dicht besiedelten Indien gibt es auch ohne an Menschen gewöhnte Leoparden zu viele Konflikte mit den Raubtieren.

Die meisten Schützlinge der Auffangstation können im Kaziranga-Nationalpark in Assam in die Freiheit entlassen werden. Das Gebiet wurde schon 1908 unter Schutz gestellt und zählt heute zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Kaziranga liegt im Überschwemmungsgebiet des Brahmaputra und besteht zu weiten Teilen aus Sümpfen. Vor allem Wasservögel wie Reiher, Ibisse und Pelikane lassen sich hier gut beobachten.

Unumstrittener Star des Nationalparks ist aber das gefährdete Panzernashorn. Durch konsequentes Vorgehen gegen die Wilderei ist der Bestand wieder auf über 2400 Exemplare gewachsen.

Auch die Arbeit der Auffangstation des Wildlife Trust of India hat zu diesem Erfolg beigetragen. Bald sind auch diese Nashörner groß genug, um wieder in die Freiheit entlassen werden zu können.
Autorin des Features: Katharina Nickoleit, Bilder: Christian Nusch

Stand: 19.06.2019, 10:16 Uhr