Live hören
Jetzt läuft: Evil E von Noiseshaper

Von Bienchen aus Blümchen – Honig im Test

Eine Schale mit Honig steht auf einem hölzernen Brett. Dahinter befinden sich Honigwaben

Von Bienchen aus Blümchen – Honig im Test

Süßes hat seit Jahren ein Image-Problem. Eine prominente Ausnahme ist ausgerechnet ein Naturprodukt, das zu rund 80 Prozent aus Zucker besteht: Honig gilt als gesund und bekömmlich. Welcher schmeckt besonders köstlich?

In vielen Teilen der Welt wird Honig geliebt und zum Beispiel im großen Stil in Desserts eingesetzt. Und doch sind es ausgerechnet wir Deutsche, die mehr Honig essen als alle anderen: im Schnitt ein Kilo pro Person und Jahr! Auch im "Alles-in-Butter"-Team gibt es zwei erklärte Honig-Fans: Moderator Uwe Schulz und unsere Chef-Testerin Sigrid Müller. Nur Genuss-Experte Helmut Gote gibt zu, nicht viel mit der goldgelben Süßigkeit anfangen zu können. Das mindert aber nicht sein Interesse an den Test-Ergebnissen von Sigrid Müller.
Zehn Blütenhonige wurden verkostet – "gut" schnitt allerdings nur einer ab; sage und schreibe sechs Honige wurden nur mit "ausreichend" bewertet. Alle Details zum Test hier:

Viel Mittelmaß beim Frühstücksklassiker: Blütenhonig im Test

Ein knuspriges Brötchen, bestrichen mit süß aromatischem Honig – was gibt es Schöneres, als so in den Tag zu starten? Hierzulande scheint dieser Frühstücksklassiker besonders beliebt zu sein, denn mit über einem Kilo Honig, das wir Deutsche pro Kopf und Jahr vernaschen, sind wir Weltmeister. Doch diesen großen Honigappetit können unsere heimischen Imker nicht allein stillen. Rund 70 Prozent des "flüssigen Goldes", das hier gekauft wird, kommt aus dem Ausland. Wichtigste Lieferanten sind inzwischen China, Argentinien und Mexiko. Wir wollten wissen, wie schmeckt der süße Glücklichmacher aus dem Supermarkt.

Der Testablauf
Wir haben zehn Blütenhonige eingekauft, die Hälfte war in Bio-Qualität. Es gab cremige und flüssige Honige im Glas und in der Dosierflasche. In unserer Probierrunde saßen unter anderem zwei Imker. Einmal Karl-Heinz Bauß vom Bienenzuchtverein Cronenberg bei Wuppertal, der zweite Honigexperte war Ralf Heipmann, er betreibt die Dom-Imkerei in Köln. Dritte in der Runde war Constanze Schnitter von der Genuss-Schule in Alfter bei Bonn, sie ist im Schwarzwald aufgewachsen und schon seit ihrer Kindheit absoluter Honigfan.

Viel Mittelmaß
Die zwei besten Honige in unserer Kostprobe kamen aus Deutschland. Auf Platz zwei mit der Note "befriedigend" landete der Maribel Bio-Blütenhonig von Lidl, den ersten Platz mit einem "gut" belegte der Blütenhonig vom Deutschen Imkerbund. Er wurde in der Probierrunde als "ausgewogen aromatisch" und "handwerklich gut verarbeitet" gelobt. Sechs Honige, also über die Hälfte der verkosteten Produkte, kamen über ein „ausreichend“ im Geschmack nicht hinaus. "Langweiliger Standardgeschmack", war hier das vorherrschende Urteil in der Testrunde. Einige Honige wurden außerdem als zu süß und zu dünnflüssig empfunden. Schlusslicht im Test war der Bio-Honig "Faires Pfund" von GEPA, ein Mischhonig aus Lateinamerika. Der schmeckte der Probierrunde vor allem wegen seiner herben rauchigen Note nicht.

Mischhonige dominieren den Markt
Sieben der zehn Produkte in unserem Test waren Misch-Honige. Die meisten kamen aus EU- und nicht EU-Ländern. Aus welchen Ländern genau die Honige stammen, erfährt der Käufer meist nicht. Wenn es mehrere Ursprungsländer gibt, müssen diese laut gesetzlicher Regelung nicht einzeln aufgeführt werden, was von Verbraucherschützern kritisiert wird. Die größten Honig-Exporteure sind inzwischen China, Mexiko und Argentinien. Honigmischungen sind bei den industriellen Verarbeitern beliebt, weil sie so zusammengestellt werden können, dass je nach Marke der gewünschte Standardgeschmack entsteht. Die Mehrzahl dieser Mischhonige in unserem Test erreichte nur Note die "ausreichend".

Bio-Honig
Nicht der gesammelte Blütennektar macht einen Honig zu Bio-Honig, dafür sind die Felder von Bio-Bauern zu klein, schließlich kann der Flugradius eines Bienenvolkes  bis zu fünf Kilometer betragen. Die Bio-Standards gelten für die Produktion. So müssen die Bienenkästen aus unbehandeltem Holz bestehen und das zugekaufte Wachs muss von Bio-Imkern stammen. Außerdem ist keine Chemie zur Bekämpfung von Bienenkrankheiten erlaubt und die zugefütterte Zuckerlösung im Winter darf nur in Bio-Qualität sein.

Warum ist Honig oft flüssig und manchmal zuckrig fest?
Jeder naturbelassene Honig dickt auf Dauer ein, das hängt von seiner  Zuckerzusammensetzung ab. Je nach Honigsorte geht das unterschiedlich schnell. Rapshonig kristallisiert schon nach rund einer Woche, während Waldhonig oder Akazienhonig manchmal ein Jahr braucht, um dickflüssiger zu werden. Bei Mischhonigen kann der Flüssigkeitsgrad gezielt gesteuert werden.      

Einen tollen Honig zu finden, ist also nicht so einfach. Helmut Gote schlägt vor, im Zweifel Ahornsirup den Vorzug zu geben. Er verspricht: Dieser süße Baumsaft verleiht charmante Süße, ohne sich aufzudrängen. Gleich zwei Rezepte legt Herr Gote als Beweise vor. Eines davon das Rezept des Monats: Lachs mit Radicchio, Apfel und Ahornsirup.

Redaktion: Heiko Hillebrand

Von Bienchen aus Blümchen - Honig im Test

WDR 5 Alles in Butter 06.03.2021 42:28 Min. Verfügbar bis 05.03.2022 WDR 5


Download