Fettgebackenes zur fünften Jahreszeit

Drei Berliner liegen auf einem Teller. Der vordere Berliner ist halb angeschnitten

Fettgebackenes zur fünften Jahreszeit

Fast hätte man's vergessen: Eigentlich ist Karneval. Feiern können wir leider nicht – aber Fettgebäck testen! Welche Berliner bieten prallen Genuss, bei welchen kann man sich die Kalorien schenken?

Nach heutigen Ernährungsempfehlungen ist das schon ein dickes Ding: Lebensmittel – statt in Wasser – in Fett zu garen. Aber einige Spielarten des Fettgebackenen gehören einfach zum deutschen Kulturgut. Der Berliner Ballen zum Beispiel, besser bekannt in seiner Kurzform: Berliner. Ein luftiger Hefeteig, gefüllt mit Marmelade, in Fett ausgebacken und in Zucker gewälzt. Unsere Cheftesterin Sigrid Müller hat mit ihrem Team elf Berliner probiert, sieben frische und vier aus dem Tiefkühlregal. Das Ergebnis war allenthalben durchwachsen: Von den frischen Produkten wurde keines besser als "befriedigend" bewertet, bei den tiefgekühlten gab es ausschließlich "ausreichende" Ergebnisse. (Alle Details zum Test: siehe unten.)

Genuss-Experte Helmut Gote empfiehlt, wie so oft: Selbermachen! Allerdings bevorzugt er anderes Fettgebäck: Apfelkrapfen, Muzen und Muzemandeln. Anschließend gibt es nach all dem Zucker ein würziges Rezept des Monats: italienische Kürbissuppe.

Redaktion: Heiko Hillebrand

Fettgebackenes zur fünften Jahreszeit

WDR 5 Alles in Butter 06.02.2021 44:19 Min. Verfügbar bis 05.02.2022 WDR 5


Download

Rundum enttäuschend: Berliner im Test

Jetzt kurz vor Karneval liegen sie wieder in fast jeder Bäckertheke, in fett gebackene zuckrige Berliner. Ihr Merkmal: Die typisch helle Bauchbinde und eine fruchtige Konfitürenfüllung. Dieses Backwerk gibt es schon seit dem 18. Jahrhundert. Damals gehörte es zur Feinbäckerei, denn mit qualitätsvollem Mehl und viel Ei wurde der süße Hefeteig in Butterschmalz frittiert. Im 19. Jahrundert war übrigens Wien und nicht Berlin die Hochburg dieses beliebten Fettgebäcks. Bei der Namensgebung haben sich dann die Berliner durchgesetzt. In ihrer Stadt gab es zu dieser Zeit fettgebackene so genannte "Berliner- Pfannkuchen" bei fahrenden Zuckerbäckern an jeder Straßenecke zu kaufen. Und warum haben Berliner ausgerechnet zu Karneval Hochsaison? Das liegt an der Fastenzeit. Neben Fleisch waren traditionell auch Zucker und Fett verboten und so wollte man sich vor dem Beginn der mageren Wochen noch einmal etwas richtig Gutes tun. Doch können die heute vorwiegend industriell hergestellten Berliner immer noch an ihre Feinbacktradition anknüpfen?

Der Testverlauf
Wir haben elf Berliner eingekauft, sieben Proben stammten von Bäckereiketten, vier Berliner kamen aus der Tiefkühltruhe. Bei ihnen wollten wir vor allem wissen, wie sie im Vergleich zu den frisch gekauften Berlinern abschneiden. In unserer Probierrunde saßen zwei Tester und eine Testerin, wobei Erika Nuss vom Netzwerk Haushalt besonders kritisch war, denn sie backt ihre Berliner bisher immer noch selbst. Außerdem mit dabei war Ernährungsexperte Rüdiger Lobitz, er gönnt sich hin und wieder einen Berliner aus der Bäckerei, ebenso wie Edgar Reitz, von Beruf Koch und der dritte in der Runde.

Kein Vergnügen
Das Ergebnis der Geschmacksprobe war eine Enttäuschung, was ja auch irgendwie zum diesjährigen Karneval passt, der so gut wie ausfällt. Nur ein Berliner schnitt mit "befriedigend" ab, neun bekamen ein "ausreichend", für ein Fettgebäck gab es ein "mangelhaft". Das war der Berliner der Bäckereikette Kamps. Bei diesem wurde bei der Kostprobe vor allem der fade Geschmack und die klebrige Teigporung bemängelt. Bei der Fruchtfüllung war man sich ebenfalls einig mit dem Urteil "absolut nichtssagend". Fazit von Tester Rüdiger Lobitz: "Wenn ich den mit verbundenen Augen essen würde, wüsste ich nicht, dass das ein Berliner ist." Auch an den anderen Berlinern gab es viel Kritik. Der Hefeteig war entweder zu fest oder zu großporig und schmeckte meist nach nichts. Enttäuschend waren in unserem Test auch die Konfitürenfüllungen: "Zu süß und ohne Fruchtaroma" war hier das Urteil. Geschmacksbester mit einem "befriedigend" war der einzige Bio-Berliner im Test, gekauft im Bio-Supermarkt "Denn’s". Bei ihm überzeugte in unserem Test vor allem die leckere Fruchtfüllung.

Tiefkühl-Berliner können mithalten
Für die Probierrunde überraschend war, dass die vier Berliner aus der Tiefkühltruhe im Geschmack nicht wesentlich schlechter abschnitten als die frischen Backwaren. Allerdings hatten diese sogenannten "Mini-Berliner" im Aussehen – bis auf eine Ausnahme ("Ja! Rewe") – mit einem klassischen Berliner nichts zu tun. Bei ihnen handelte es sich um kleine fettgebackene Teigballen, ohne den typischen hellen "Bauchring".

Kürbissuppe in einer Schale, ein Löffel darin