Grünes Glück? Wir testen Olivenöl

Eine Schale mit Olivenöl, dabei Oliven, ein Olivenzweig und ein Löffel aus Olivenholz

Grünes Glück? Wir testen Olivenöl

Mit Olivenöl kommt für viele die Urlaubsstimmung auf den Tisch und ins Essen. Der Gedanke an Olivenhaine in der mediterranen Sonne macht das Öl noch beliebter. "Alles in Butter" hat Olivenöle getestet.

In der mediterranen Küche ist das Olivenöl ein Klassiker. Auch in Deutschland ist es bei vielen hoch angesehen. Oft wegen der "Romantik" - werden doch viele Geschichten und Mythen erzählt über die Arbeit der Oliven-Bauern in der mediterranen Sonne. Dabei gehen Qualität und Preise der im Handel angebotenen Öle weit auseinander.

Chef-Testerin Sigrid Müller und ihr Team haben zehn industriell hergestellte Olivenöle getestet, günstige und eher teurere. Drei Öle davon hatten Bio-Qualität. Der Test forderte Entschlossenheit von den Testern: Ähnlich wie bei einer Weinverkostung wurden die Öle zunächst beschnuppert und dann durch die Zähne gezogen, herunterschlucken war keine Pflicht. Neutralisiert wurde zwischendurch mit Brot. Das Fazit der Tester fällt durchwachsen aus. Bewertet wurden die Öle von "mangelhaft" bis "befriedigend". Weit vorne liegen Olivenöle aus Griechenland (Details siehe unten).

Für Genuss-Experte Helmut Gote liegt die Latte bei Olivenölen hoch. Er bevorzugt einen ausgewogenen Geschmack, vorne fruchtig und hinten raus scharf. Welche Geschmackskomponenten einem zusagen, muss allerdings jeder/ jede für sich herausfinden. Helmut Gote hat dennoch Tipps auf Lager, wie sich das Öl besonders genießen lässt. Klare Empfehlung von ihm: lauwarm sollte es sein. Das Rezept des Monats am Schluss der Sendung kommt ursprünglich aus der süditalienisch sizilianischen Küche – weiterentwickelt vom Genuss-Experten: "Caponata à la Gote".

Olivenöle im Test

Olivenöl ist gesund und ein wahrer Tausendsassa in der Küche. Ob im Salat, zur Pasta oder zum Braten in der Pfanne, sein unvergleichliches Aroma gibt vielen Gerichten oft erst den letzten Schliff. Auch in deutschen Küchen ist das inzwischen so. Nach Raps- und Sonnenblumenöl steht Olivenöl inzwischen bei der Beliebtheit auf Platz drei. Kein Wunder also, dass in Supermärkten und beim Discounter Olivenöl mittlerweile zur Meterware gehört und fast nur noch in der obersten Güteklasse "nativ extra" zu haben ist. Diese Öle müssen besonders schonend verarbeitet sein und beim Geschmack den höchsten Ansprüchen genügen. Doch ist das tatsächlich so?

Der Testablauf

Wir haben zehn Olivenöle in Supermärkten und bei Discountern gekauft, davon vier in Bio-Qualität. Alle Öle hatten die Güteklasse "nativ extra". Für diese Kennzeichnung gibt es hohe Qualitätsmaßstäbe. Die Öle dürfen keinen Fehler im Geschmack haben, müssen deutlich fruchtig sein, dürfen eine gewisse Schärfe haben und auch etwas bitter sein. Dabei variieren die Fruchtaromen je nach Sorte, Erntezeit und Herkunftsort. Festgelegt sind diese Qualitätsmerkmale in der EU-Olivenölverordnung. Ein besonderer Olivenölkenner in unserer Testrunde war Feinkosthändler Peter Neumann von der Firma Gusto Sicilia. Er vertreibt "nativ extra" Olivenöl von kleinen Anbaubetrieben in Sizilien. Außerdem in unserem Test dabei war Annegret Fuentes vom Verein Slow food. Ihr Mann ist Spanier und Olivenöl ist schon lange eine Selbstverständlichkeit in ihrer Küche. Als Dritter in der Runde saß Ernährungsexperte Rüdiger Lobitz, er kennt sich ebenfalls mit Olivenölen aus.

Viele Mängel im Geschmack

Das Ergebnis unserer Kostprobe war enttäuschend. Fast alle Olivenöle waren nach Meinung der Tester mehr oder weniger unausgewogen im Geschmack. Sie wurden vor allem als zu bitter empfunden und die Fruchtigkeit wurde vermisst. Nur zwei Öle fanden die Tester "befriedigend", der Rest bekam ein "ausreichend". Besonders enttäuschend war in unserem Test das Ja! Olivenöl, eine Billigmarke von Rewe. Dieses Öl fanden die Tester unangenehm bitter und viel zu wenig fruchtig. Ihr Urteil: "mangelhaft".

Wirklich "nativ extra"?

Nach Meinung der Tester wurde bei den meisten Olivenölen in der Kostprobe die hohe Qualitätsstufe "nativ extra" geschmacklich nicht erreicht. Der Olivenölhändler in unserer Runde war besonders enttäuscht, denn auch die teureren Öle im Test überzeugten ihn nicht. Immerhin bekamen zwei Olivenöle in der Probierrunde ein "befriedigend". Das war einmal das Olivenöl von Livio und das Olivenöl der Firma Zeus, gekauft beim Discounter Netto.

Unterschiedliche Herkunftsländer

Unsere Olivenöle kamen aus Griechenland, Italien, Spanien und Tunesien, wobei die drei Öle aus Griechenland den Testern am besten schmeckten, sie erreichten die ersten Plätze. Beim Testverlierer stammten die Oliven laut Deklaration aus verschiedenen EU-Ländern – offensichtlich kein Qualitätsmerkmal. Eine weitere Orientierung beim Kauf ist der Preis. Die beiden preiswertesten Öle in unserer Kostprobe waren mit rund 2,40 Euro pro 500 Milliliter die schlechtesten im Test.

Wie sollte ein gutes Olivenöl schmecken?

Der Geschmack von Olivenöl hängt von der Sorte und der Erntezeit der Oliven ab. Öle aus früher geernteten noch grünlichen Oliven schmecken eher nach frischem Gras und nach Artischocke. Sind auch etwas schärfer und bitterer als Öle aus reiferen Oliven. Diese Öle schmecken fruchtig-blumig, sind milder und haben Aromen, die unter anderem an Mandeln und grüne Tomaten erinnern.

Redaktion: Heiko Hillebrand

Stand: 16.07.2020, 08:58