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Cool oder nur kalt? Wir testen Tiefkühltorten

Eine angeschnittene Schwarzwälder Kirschtorte steht auf einem großen, runden Teller

Cool oder nur kalt? Wir testen Tiefkühltorten

Schwarzwälder Kirsch gilt als die beliebteste deutsche Torte schlechthin. Alles in Butter hat sie getestet – als tiefgekühltes Fertigprodukt. Denn nicht jeder hat schließlich Zeit, selbst Konditor zu spielen.

Unsere Cheftesterin Sigrid Müller hat vier verschiedene tiefgefrorene Schwarzwälder Kirschtorten getestet. Das Ergebnis der Verkostung ist ernüchternd (Details siehe unten). Dem schließt sich auch Genuss-Experte Helmut Gote im Studio an. Umso erfreulicher, dass Sigrid Müller eine Schwarzwälder Kirschtorte aus einer Konditorei in Bad Godesberg bei Bonn mitgebracht hat – übrigens aus der Konditorei, in der das Originalrezept dieses Klassikers erfunden wurde.
Für Genuss-Experte Helmut Gote gilt ein Kuchen übrigens immer dann als "Torte", wenn er ihm schmeckt. Er hätte auch gern eine Eistorte mit ins Studio gebracht: "Grillaschtorte" – wenn, ja wenn er in Köln den dazugehörigen Grundstoff Baiser in einer annehmbaren Qualität bekommen hätte. Auch um diese praktischen Hürden des Backens geht es heute in Alles in Butter.

Ohne Überleitung geht's von süß zu deftig – zum Rezept des Monats: "Kartoffelgratin" ist ein nur vermeintlich einfaches Rezept, das einige Stolperfallen bereithält. Das fängt schon bei der Auswahl des Käses an: Sigrid Müller hat in diesem Fall französischen Comté benutzt, Moderatorin Carolin Courts Emmentaler. Beides gut. Und die Kartoffel sollte so beschaffen und gestaltet sein, dass sie die Flüssigkeiten gut aufnehmen kann. Guten Appetit!

Weit weg vom Original: Tiefgekühlte Schwarzwälder Kirschtorte im Test

Wenn schon Torte, dann richtig. Nach diesem Motto scheinen die meisten Kuchenfans hierzulande ihre Wahl zu treffen, denn unter den Kalorienbrummern aus der Konditorei ist die Schwarzwälder Kirschtorte die beliebteste. Entstanden ist sie wahrscheinlich aus einer Nachspeise, die man schon im 19. Jahrhundert im Südschwarzwald kannte, bei der eingekochte Kirschen mit Rahm und einem Schuss Kirschwasser serviert wurden. Und wer kam dann auf Idee aus diesen Zutaten eine Torte zu kreieren? Josef Keller, ein Konditor aus dem Schwäbischen, reklamierte diesen Einfall als erster für sich. Im Jahr 1915 soll er seine erste Schwarzwälder Kirschtorte serviert haben. Und zwar nicht im Schwarzwald, sondern in einem Café in Bad Godesberg bei Bonn. Allerdings behauptet auch ein Konditor aus Tübingen, Erfinder dieses Kuchens zu sein. Wie dem auch sei, die Torte aus Mürbeteig, Schokobiskuit, Kirschen, Kirschwasser und Sahne herzustellen, erfordert viel Fingerspitzengefühl. Da greifen die weniger Begabten oft lieber zur eingefrorenen Variante.

Der Testablauf

Wir haben vier tiefgefrorene Schwarzwälder-Kirsch-Produkte probieren lassen, eingekauft im Supermarkt, bei Discountern und bei einem Tiefkühlkostlieferanten. Probiert haben drei unerschrockene Tortenfans. Ein besonderer Kenner der Materie war hier Rudi Schöner, Konditormeister aus Bad Godesberg. Er hat lange Jahre das Café geleitet, das Josef Keller gehört hat, dem mutmaßlichen Erfinder der legendären Torte mit dem Kirschwasser Kick. Der Vater von Rudi Schöner übernahm später dieses Café zusammen mit dem Rezeptbuch seines Vorgängers. Auch heute noch wird die Torte dort nach einer weiterentwickelten Originalrezeptur aus den 1930er Jahren hergestellt. In unserer Probierrunde außerdem mit dabei war Erika Nuss vom Netzwerk Haushalt. Sie backt regelmäßig Kuchen und Torten für die Familie. Als dritte Tortenkennerin saß Ursula Fröhling vom Verein Slow Food mit am Tisch.

Weit weg vom Original

Das Ergebnis des Tests war insgesamt enttäuschend. Alle Torten kamen nicht an das Original heran. Den Testern waren die Böden zu fest, es gab zu viel Gelatine in der Sahne, zu wenig Schokostreusel auf der Torte und – vor allem – zu wenig Kirschwasser. Nach Vorgabe des Deutschen Lebensmittelbuches muss eine Schwarzwälder Kirschtorte wahrnehmbar nach diesem alkoholischen Getränk schmecken. Einen Tiefpunkt in Sachen Geschmack erreichten bei unserem Test die Schwarzwälder-Kirsch-Tortenwürfel der Firma Bofrost. Dieses Erzeugnis war nicht nur mit Abstand das teuerste in unserer Probierrunde, sondern nach Meinung der Tester auch mit Abstand das schlechteste. Ihr Kommentar: "Dieses Erzeugnis ist geschmacklich unangenehm und hat nichts mit einer Schwarzwälder Kirsch zu tun."
Dafür gab es die Note "mangelhaft". Zwei Tiefkühltorten bekamen ein "ausreichend". Das war einmal die Kirschtorte aus Grotemeyer's Konditorei (Kaufland) und zum anderen die Tortenschnitten von Aldi Süd, auch sie schmeckten den Testern nicht. Eine Schwarzwälder Tiefkühltorte hat den Test ein bisschen gerettet. Die Festtagstorte der Firma Coppenrath & Wiese fanden die Tester annehmbar im Geschmack und vergaben dafür die Note "befriedigend".

Redaktion: Heiko Hillebrand

Cool oder nur kalt? Wir testen Tiefkühltorten

WDR 5 Alles in Butter 03.10.2020 45:05 Min. Verfügbar bis 30.09.2021 WDR 5


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Zum Nachbacken – von Helmut Gote:

Schwarzwälder Kirschtorte

Zutaten für den Biskuit:

  • 8 Eier
  • 200 g Zucker
  • 150 g Mehl
  • 50 g Kakaopulver
  • 50 g geschmolzene Butter

Zutaten für die Füllung:

  • 500 g Kirschen aus dem Glas (entsteint)
  • 250 ml Kirschsaft
  • 100 ml Portwein
  • 50 g Bourbon-Vanillezucker
  • 1 gehäufter Esslöffel Speisestärke
  • 600 ml Liter Sahne
  • 4 cl Kirschwasser
  • Schokoladenspäne

Zubereitung:

Für den Biskuit die Eier und den Zucker mit einem Schneebesen glatt schlagen, dann die Masse im heißen Wasserbad cremig rühren, aber nicht zu heiß werden lassen, also bis etwa 40 Grad – das kann man daran erkennen, dass es hell und cremig wird. Dann die Creme im kalten Wasserbad kalt rühren. Die Hälfte des Mehls und des Kakaopulvers über die Creme sieben, dann vorsichtig unterheben, anschließend genauso die zweite Hälfte. Zum Schluss die lauwarm geschmolzene Butter in den Teig rühren.
Eine Springform mit Backpapier auslegen, den Rand mit Butter einfetten und dünn mit Mehl bestäuben, den Teig einfüllen und im auf 180 Grad vorgeheizten Backofen auf der mittleren Schiene ca. 40 Minuten backen, dann sofort aus der Form auf ein Gitter stürzen und auskühlen lassen.
Die Kirschen durch ein Sieb abtropfen lassen, 250 ml vom Saft abnehmen und den Portwein zugießen, etwas davon in ein Glas gießen und kalt mit der Speisestärke verrühren. Den Rest zum Kochen bringen, einmal aufkochen, dann die Speisestärke hineinschütten, alles zusammen etwa 2 Minuten lang kochen, dabei rühren. 12 Kirschen zur Seite legen, die restlichen Kirschen im heißen Saft ziehen lassen, bis er vollständig ausgekühlt und eingedickt ist.
Den Biskuit quer in 3 Scheiben schneiden, die Sahne mit etwas Zucker sehr steif schlagen. Den unteren Boden mit der Hälfte des Kirschwassers beträufeln, dann eine Lage Sahne darauf streichen, darüber die Kirschen gleichmäßig verteilen, dann wieder mit Sahne abdecken. Den zweiten Boden darauf legen, mit dem restlichen Kirschwasser beträufeln, wieder mit einer Schicht Sahne bestreichen und den oberen Boden auflegen.
Die gesamte Torte rundherum üppig mit Sahne bestreichen, die 12 Kirschen (pro Stück eine) auf den Rand setzen, eventuell auf mit einem Spritzbeutel aufgespritzte Sahnerosetten. Auf die Mitte der Torte großzügig Schokoladenspäne verstreuen, die Torte in 12 Stücke schneiden und servieren.

Grillaschtorte

Zutaten:

  • 600 ml Sahne
  • 10 g Speisestärke
  • 10 g Puderzucker
  • 200 g Baiser
  • 150 g Mandeln, gemahlen
  • 50 g Mandeln, gehackt
  • 1 gehäufter Teelöffel Zucker
  • 200 g 70%-Schokolade

Zubereitung:

Gehackte Mandeln in einer trockenen Pfanne anrösten, Zucker darüber streuen und rühren, bis er sich aufgelöst hat. Sofort aus der Pfanne auf einen flachen Teller umschütten und ganz abkühlen lassen. Baiser mit dem Handballen noch in der Tüte bröckelig zerdrücken. Schokolade mit einem schweren Messer klein hacken. Puderzucker und Speisestärke mischen, Sahne anschlagen, bis sie leicht andickt, Zucker-Stärke-Mischung dazu geben und die Sahne weiter schlagen, bis sie fest wird. Alle Zutaten gleichmäßig unter die Sahne heben und die Mischung in einer Kastenform einfrieren. 1/2 Stunde vor dem Servieren aus dem Eisschrank nehmen, dicke Scheiben abschneiden und genießen.
Für eine Grillaschtorte in der Springform braucht man die doppelte Menge.

Das Rezept des Monats Oktober:

Kartoffelgratin

Zutaten für 2 - 4 Personen:

  • 1 Kilo vorwiegend-festkochende Kartoffeln
  • 150 g Schweizer Emmentaler oder französischer Comtè
  • 200 ml Sahne
  • Salz, Pfeffer, Muskatnuss, Butter

Zubereitung:

Wie bei allen ganz einfachen Gerichten ist die Sorgfalt bei der Zubereitung umso wichtiger. Den Backofen auf 200 Grad vorheizen. Die Kartoffeln in etwa 3 mm dicke Scheiben hobeln und den Käse sehr fein reiben. Die Auflaufform ordentlich dick einbuttern und mit der ersten Schicht Kartoffeln auslegen. Herzhaft mit Salz und frisch geriebener Muskatnuss würzen, leicht pfeffern und mit 1/3 des Käses bestreuen. Mit einem Esslöffel 1/3 der Sahne darüber verteilen und das Ganze beim Schichten dann noch 2 Mal wiederholen.
Die Auflaufform abdecken und 30 Minuten lang backen. Dann die Hitze auf 180 Grad reduzieren, damit der Käse obenauf nicht zu dunkel wird, und das Gratin ohne Abdeckung in weiteren 30 Minuten fertig garen (Stichprobe mit dem Küchenmesser). Aus dem Backofen nehmen und 15 Minuten ziehen lassen. Als Beilage geht Salat oder fast jedes Gemüse.

Kartoffelgratin, angerichtet in einer weißen, ovalen Schale