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23.03 - 06.00 Uhr ARD Infonacht

Cool oder nur kalt? Wir testen Tiefkühltorten

Eine angeschnittene Schwarzwälder Kirschtorte steht auf einem großen, runden Teller

Cool oder nur kalt? Wir testen Tiefkühltorten

Schwarzwälder Kirsch gilt als die beliebteste deutsche Torte schlechthin. Alles in Butter hat sie getestet – als tiefgekühltes Fertigprodukt. Denn nicht jeder hat schließlich Zeit, selbst Konditor zu spielen.

Unsere Cheftesterin Sigrid Müller hat vier verschiedene tiefgefrorene Schwarzwälder Kirschtorten getestet. Das Ergebnis der Verkostung ist ernüchternd (Details siehe unten). Dem schließt sich auch Genuss-Experte Helmut Gote im Studio an. Umso erfreulicher, dass Sigrid Müller eine Schwarzwälder Kirschtorte aus einer Konditorei in Bad Godesberg bei Bonn mitgebracht hat – übrigens aus der Konditorei, in der das Originalrezept dieses Klassikers erfunden wurde.
Für Genuss-Experte Helmut Gote gilt ein Kuchen übrigens immer dann als "Torte", wenn er ihm schmeckt. Er hätte auch gern eine Eistorte mit ins Studio gebracht: "Grillaschtorte" – wenn, ja wenn er in Köln den dazugehörigen Grundstoff Baiser in einer annehmbaren Qualität bekommen hätte. Auch um diese praktischen Hürden des Backens geht es heute in Alles in Butter.

Ohne Überleitung geht's von süß zu deftig – zum Rezept des Monats: "Kartoffelgratin" ist ein nur vermeintlich einfaches Rezept, das einige Stolperfallen bereithält. Das fängt schon bei der Auswahl des Käses an: Sigrid Müller hat in diesem Fall französischen Comté benutzt, Moderatorin Carolin Courts Emmentaler. Beides gut. Und die Kartoffel sollte so beschaffen und gestaltet sein, dass sie die Flüssigkeiten gut aufnehmen kann. Guten Appetit!

Weit weg vom Original: Tiefgekühlte Schwarzwälder Kirschtorte im Test

Wenn schon Torte, dann richtig. Nach diesem Motto scheinen die meisten Kuchenfans hierzulande ihre Wahl zu treffen, denn unter den Kalorienbrummern aus der Konditorei ist die Schwarzwälder Kirschtorte die beliebteste. Entstanden ist sie wahrscheinlich aus einer Nachspeise, die man schon im 19. Jahrhundert im Südschwarzwald kannte, bei der eingekochte Kirschen mit Rahm und einem Schuss Kirschwasser serviert wurden. Und wer kam dann auf Idee aus diesen Zutaten eine Torte zu kreieren? Josef Keller, ein Konditor aus dem Schwäbischen, reklamierte diesen Einfall als erster für sich. Im Jahr 1915 soll er seine erste Schwarzwälder Kirschtorte serviert haben. Und zwar nicht im Schwarzwald, sondern in einem Café in Bad Godesberg bei Bonn. Allerdings behauptet auch ein Konditor aus Tübingen, Erfinder dieses Kuchens zu sein. Wie dem auch sei, die Torte aus Mürbeteig, Schokobiskuit, Kirschen, Kirschwasser und Sahne herzustellen, erfordert viel Fingerspitzengefühl. Da greifen die weniger Begabten oft lieber zur eingefrorenen Variante.

Der Testablauf

Wir haben vier tiefgefrorene Schwarzwälder-Kirsch-Produkte probieren lassen, eingekauft im Supermarkt, bei Discountern und bei einem Tiefkühlkostlieferanten. Probiert haben drei unerschrockene Tortenfans. Ein besonderer Kenner der Materie war hier Rudi Schöner, Konditormeister aus Bad Godesberg. Er hat lange Jahre das Café geleitet, das Josef Keller gehört hat, dem mutmaßlichen Erfinder der legendären Torte mit dem Kirschwasser Kick. Der Vater von Rudi Schöner übernahm später dieses Café zusammen mit dem Rezeptbuch seines Vorgängers. Auch heute noch wird die Torte dort nach einer weiterentwickelten Originalrezeptur aus den 1930er Jahren hergestellt. In unserer Probierrunde außerdem mit dabei war Erika Nuss vom Netzwerk Haushalt. Sie backt regelmäßig Kuchen und Torten für die Familie. Als dritte Tortenkennerin saß Ursula Fröhling vom Verein Slow Food mit am Tisch.

Weit weg vom Original

Das Ergebnis des Tests war insgesamt enttäuschend. Alle Torten kamen nicht an das Original heran. Den Testern waren die Böden zu fest, es gab zu viel Gelatine in der Sahne, zu wenig Schokostreusel auf der Torte und – vor allem – zu wenig Kirschwasser. Nach Vorgabe des Deutschen Lebensmittelbuches muss eine Schwarzwälder Kirschtorte wahrnehmbar nach diesem alkoholischen Getränk schmecken. Einen Tiefpunkt in Sachen Geschmack erreichten bei unserem Test die Schwarzwälder-Kirsch-Tortenwürfel der Firma Bofrost. Dieses Erzeugnis war nicht nur mit Abstand das teuerste in unserer Probierrunde, sondern nach Meinung der Tester auch mit Abstand das schlechteste. Ihr Kommentar: "Dieses Erzeugnis ist geschmacklich unangenehm und hat nichts mit einer Schwarzwälder Kirsch zu tun."
Dafür gab es die Note "mangelhaft". Zwei Tiefkühltorten bekamen ein "ausreichend". Das war einmal die Kirschtorte aus Grotemeyer's Konditorei (Kaufland) und zum anderen die Tortenschnitten von Aldi Süd, auch sie schmeckten den Testern nicht. Eine Schwarzwälder Tiefkühltorte hat den Test ein bisschen gerettet. Die Festtagstorte der Firma Coppenrath & Wiese fanden die Tester annehmbar im Geschmack und vergaben dafür die Note "befriedigend".

Redaktion: Heiko Hillebrand

Cool oder nur kalt? Wir testen Tiefkühltorten

WDR 5 Alles in Butter 03.10.2020 45:05 Min. Verfügbar bis 30.09.2021 WDR 5


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