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Ist überall auf der Welt gleichzeitig Vollmond?

Hinter einem Kran geht der Vollmond auf

Die Kleine Anfrage - Mondphasen

Ist überall auf der Welt gleichzeitig Vollmond?

Von Charlotte Wiedl

Eine Vollmond-Nacht mit der ganzen Welt zu teilen ist eine schöne Vorstellung. Aber dass die Menschen überall auf der Erde zur selben Zeit die gleiche leuchtende Scheibe am Himmel sehen, ist wohl kaum möglich. Oder etwa doch?

Die Antwort auf diese Frage ist überraschend einfach. Die Astronomin Prof. Susanne Hüttemeister bringt es auf den Punkt: "Der Mond ist bei Vollmond überall dort zu sehen, wo Nacht ist.“ Vorausgesetzt natürlich, die Wolken verdecken ihn nicht. Das heißt also: Wenn in Deutschland um vier Uhr nachts Vollmond ist, dann ist er an allen Orten der Welt, die sich in etwa in derselben Zeitzone befinden, auch sichtbar. Selbst im tausende Kilometer entfernten Kapstadt in Südafrika, denn dort ist dann ebenfalls gerade Nacht.

Die Mondphase ist überall die gleiche

Sowohl auf der Nord-, als auch auf der Südhalbkugel befinden wir uns immer in der gleichen Mondphase. "Der Zeitpunkt des Vollmonds hat nur etwas mit der Bahn des Mondes um die Erde und der Stellung des Mondes relativ zu Erde und Sonne zu tun“, so die Astronomin, die das Planetarium in Bochum leitet. Wie ist das aber, wenn sich Orte in ganz unterschiedlichen Zeitzonen befinden?

Der Vollmond ist nur nachts sichtbar

Wenn zum Beispiel in Bonn um vier Uhr nachts der Vollmond sichtbar ist, dann ist es in Sydney (Australien) gerade 12 Uhr mittags. Eine Eigenart des Vollmonds ist, dass er tagsüber im Gegensatz etwa zur Sichel, niemals auch nur in Umrissen am Himmel erscheint. Denn er steht von der Sonne aus gesehen hinter der Erde, also der Sonne genau gegenüber. Folglich befindet er sich überall dort, wo Tag ist, unter dem Horizont.

Die Zeitverschiebung beachten

Das heißt aber nicht, dass (in unserem Beispiel) die Menschen in Australien gar keinen Vollmond sehen. Sie müssen nur warten, bis bei ihnen die Sonne untergeht, erklärt Susanne Hüttemeister: "Wenn man im Sprachgebrauch über eine Vollmondnacht redet, dann kommt jeder auf der Welt in den Genuss von etwas, das er als Vollmondnacht beschreiben wird.“ Und zwar innerhalb von 24 Stunden, denn dann ist überall auf der Welt einmal Nacht gewesen. Die Polregionen ausgenommen, denn dort geht die Sonne teilweise gar nicht unter.

Unterschied: exakter und scheinbarer Vollmond

Um aber wissenschaftlich korrekt zu bleiben: Astronomen unterscheiden zwischen dem Vollmond, den wir Menschen mit bloßem Auge sehen und dem exakten Vollmond-Zeitpunkt. Letzterer ist der Zeitpunkt, an dem die Mondscheibe vollständig von der Sonne beleuchtet ist und währt nur einen kurzen Augenblick lang. Nehmen wir an, dieser Zeitpunkt ist genau dann, wenn in Deutschland vier Uhr nachts ist. Wenn der Mond einige Stunden später in Sydney aufgeht, würden Astronomen mit Teleskopen schon wieder erste Schatten auf der Mondscheibe erkennen. Dabei hat sich der Mond in dieser Zeit nur ein paar Grad auf seiner Bahn um die Erde fortbewegt. Mit dem bloßen Auge ist der Unterschied deswegen auch nicht wahrnehmbar, womit der Mond also immer noch wie ein richtiger Vollmond aussieht.

Redaktion:
Martin Gent

Stand: 24.09.2015, 16:05