Drei Bücher über Menschen und die Ozeane

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Service Sachbuch – Meer und mehr

Drei Bücher über Menschen und die Ozeane

Von Anne Preger

Die Weltmeere scheinen unendlich, die Tiefsee geheimnisvoll. Doch selbst in unerforschten Schluchten erscheint schon Müll im Licht der Tauchroboter – nur einer von vielen Hinweisen, wie sehr Menschen in den Lebensraum Ozean eingreifen. 

So geht es den Meeren

Dem britischen Meeresbiologen Callum Roberts geht es nicht um den erhobenen Zeigefinger, doch trotzdem bleibt ihm nichts anderes übrig, als festzustellen: Obwohl die Weltmeere vom Ufer aus unendlich groß erscheinen, haben es die Menschen geschafft, sie in den vergangenen 30 Jahren stärker zu verändern als die Natur in den vergangenen 7.000 Jahren nach dem letzten Abklingen der Eiszeit.
Anschaulich belegt Roberts, wie stark die Überfischung der Meere zugenommen hat und wie viel energieaufwändiger heute Fischerei im Vergleich der der vergangenen 120 Jahre ist. Trotzdem gibt der Autor Grund zur Hoffnung: "Wir brauchen nicht hilflos zuzusehen, wie alles, was wir am Meer lieben, den Bach runter geht. Der Wandel zum Guten steht in unserer Macht." Gegen Überfischung hilft unter anderem die Einrichtung von Meeresschutzgebieten. Fischbestände erholen sich, und Fischer außerhalb können so auf lange Sicht mit mehr Fängen rechnen.
Deutlich schwieriger ist es, die Folgen unseres Abgasausstoßes auf das Meer einzudämmen. Kohlendioxid verursacht nicht nur die Erwärmung von Luft und Meerwasser, sondern versauert das Wasser zusätzlich. Das bringt Korallenriffe weltweit in Lebensgefahr. Wer noch weitere Gründe für raschen Klimaschutz sucht, Callum Roberts liefert sie überzeugend in "Der Mensch und das Meer."

2016 schon Bergbau in der Tiefsee?

Dass am Grund des Meeres metallreiche Erze in Form von Manganknollen,  Kobaltkrusten oder Schwefelgesteinen schlummern, ist seit Jahrzehnten bekannt; immer wieder war der Abbau im Gespräch. Folgt man der Einschätzung der Autoren von "Rohstoffe aus dem Meer", könnte es damit tatsächlich in den kommenden Jahren losgehen, zum Beispiel vor Papua-Neuguinea, wo Schwefelgesteine am Meeresgrund der Bismarcksee unter anderem Gold und Silber verheißen.
Verfasst wurde dieser Teil 3 des "World Ocean Review"  in Zusammenarbeit mit deutschen Meeres- und Geowissenschaftlern, unter anderem vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover. Neben dem zukünftigen Abbau von Erzen unter dem Meer, befassen sich die vier auch einzeln lesbaren Kapitel mit der Gewinnung von Öl und Gas, den möglichen Abbau von Erdgas-Eis, d.h. Methanhydraten, und den internationalen Regeln, die es im Moment für die Rohstoffgewinnung im Meer gibt.

Dieser dritte Teil des "World Ocean Review" fasst übersichtlich, aber nicht immer leicht verständlich, Informationen zusammen, die bislang nicht gut zugänglich für Laien waren. An einigen Stellen kommt allerdings eine Einordnung etwas zu kurz oder sehr spät im Text: Das Unterkapitel über die Ölfördermethode Fracking ist inhaltlich dünn.
Außerdem wird  zwar auf die Umweltrisiken der Ölförderung durch Ölverschmutzung eingegangen - unerwähnt bleibt aber, dass auch ohne Lecks die spätere Verbrennung des Öls das Meer in Folge doppelt stresst: Das entstehende Kohlendioxid erwärmt als Treibhausgas Erde und Meere nicht nur, sondern versauert das Wasser zusätzlich mit dramatischen Folgen, unter anderem für Korallenriffe. Es ist nicht ersichtlich, warum diese Auswirkung des Öl- und Gasabbaus im Meer nicht genannt wird.

Fazit: Wer sich für diesen Themenbereich interessiert, begeht keinen Fehler, sich den "World Ocean Review", Teil 3 kostenlos zu bestellen; es empfiehlt sich aber für den eigenen Überblick, in weitere Bücher wie "Der Mensch und das Meer" hineinzuschauen.

Mehr als Bilder

Die Tiefsee ist zu allererst ein Lebensraum für außergewöhnliche Wesen und erst danach der Fundort für seltene Erden und andere Rohstoffe. Davon gibt der Fotograf und Meeresbiologe Solvin Zankl zusammen mit GEO-Redakteur Lars Abromeit in "Ozeane – Expedition in unerforschte Tiefen" eine beeindruckende Vorstellung. Doch entgegen des Titels zeigen Zankls Bilder nicht nur Tiefsee-Bewohner, sondern auch die aus dem flachen Wasser und die, die ab und zu an Land gehen.
Die Fotos vom enormen Artenreichtum eines Indonesischen Riffs oder von hunderten und tausenden Meeresschildkröten, die gleichzeitig das Wasser verlassen, um an einem Strand Costa Ricas ihre Eier zu legen, vermitteln, wie reich der Lebensraum Meer sein kann – dort, wo Menschen das noch zulassen. Die Schatten von großen Blauflossenthunfischen im Mittelmeer sind mehr als ein Schwarmfoto. Sie vermitteln die Tragik, dass dieser Anblick weltweit inzwischen sehr selten ist. Früher wäre ein Taucher einem solchen Schwarm vielleicht in der Wildnis begegnet, heute dafür im Mastkäfig.

Schon beim Durchblättern vermittelt sich, welche beeindruckenden Wesen ihren Lebensraum mit den Menschen teilen. Jedes Foto wird durch eine kurze Erläuterung und einen Maßstab begleitet, jeder Lebensraum von einer sachkundigen und lebendig geschriebenen Einordnung oder einem Expeditionsbericht der Autoren.

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Redakteur:
Detlef Reepen

Stand: 10.07.2014, 16:05