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Wem haben wir den allseits bekannten Kuckucksruf zu verdanken?

Ein Kuckuck sitzt auf einem Ast

Die Kleine Anfrage - Kuckucksruf

Wem haben wir den allseits bekannten Kuckucksruf zu verdanken?

Von Kerstin Peetz

Unser Hörer hat beim Joggen unterschiedliche Kuckucksrufe gehört: Kleine Terz, große Terz und Quarte. Ein sehr flexibler Kuckuck oder drei Individuen? Das vermochten wir nicht zu klären, aber immerhin, wer da überhaupt Kuckuck ruft.

Kein Bild zum Ruf: der Kuckuck

Ginge es darum, sein Aussehen zu beschreiben, müssten die meisten wohl passen. Er ist ein Vertreter der Vogelwelt, dessen optischer Bekanntheitsgrad weit hinter seinem akustischen zurückbleibt. Das heißt: Fällt sein Name, hat man nicht unbedingt ein Bild im Kopf, dafür aber spontan einen Klang – besser: einen Ruf. Gemeint ist der Kuckuck. Sein "Gesang“, glaubt der Volksmund, beschränke sich auf das "Kuckuck“, wie es laut Kinderlied aus dem Wald ruft – also auf das Tonintervall der kleinen Terz. Doch das ist in mehrfacher Hinsicht nur die halbe Wahrheit.

Langstreckenflug zu den Wurzeln

Schon etwa Ende April lässt der Kuckuck hierzulande wieder von sich hören, nachdem er in den Savannengebieten Zentralafrikas überwintert und gerade einen wahren Langstreckenflug von acht- bis zehntausend Kilometern hinter sich gebracht hat. Eine beschwerliche Reise, die ihn zu seinen eigenen geografischen Wurzeln zurückführt und nur einem Zweck dient: seiner Vermehrung. Eine große Rolle spielt dabei sein allseits bekannter Kuckucksruf. Der allerdings kommt – anders, als im Kinderlied behauptet – nicht unbedingt aus dem Wald.

Arterhalt dank Wirtsvogel

Der Kuckuck ruft in seinen Fortpflanzungsrevieren, und die sind immer dort, wo auch seine Wirtsvögel leben. Sie sorgen für den Arterhalt des Kuckucks, der ihnen sein eigenes Ei unterschiebt und sie auf diese Weise so unbemerkt wie unfreiwillig zu Pflegeeltern macht. Laut dem Kuckucksexperten, Dr. Karsten Gärtner aus Geesthacht, konzentriert er sich in Norddeutschland und auf den Inseln auf Teichrohr- und Sumpfrohrsänger, auf Bachstelze und Wiesenpieper. Sie alle leben eben nicht im Wald, sondern im Grünland, am See oder Fluss. Wobei sich der Kuckuck für genau die Vogelart entscheiden wird, bei der er selbst aufgewachsen ist.

Der Ruf als Indikator für Attraktivität

Der typische Kuckucksruf ist ein Privileg des Männchens, das damit zum einen seinen Revieranspruch gegenüber rivalisierenden Artgenossen geltend und zum anderen die Damenwelt auf sich aufmerksam machen, sprich ihr imponieren will. Lautes und langes Rufen, meint Karsten Gärtner, sei ein Zeichen für Stärke und Fitness – für die Weibchen ein wichtiges Kriterium bei der Partnerwahl. Sie wiederum lassen nur selten von sich hören, und wenn, dann mit einem "Kichern“ oder "Trällern“, das sicher nur sehr kundige Ohren überhaupt mit dieser Vogelart in Verbindung bringen. Doch auch der männliche Kuckuck kann sich akustisch jenseits des vertrauten Standards bewegen. Das Erscheinen eines Weibchens oder aber eines Konkurrenten quittiert er etwa mit einer Art aufgeregtem Ziegengemecker.

Die kleine Terz ist noch nicht alles

Wer viel in der Natur unterwegs und musikalisch bewandert ist, dem wird vielleicht schon aufgefallen sein, dass Kuckucksrufe nicht nur in der kleinen Terz, also analog zum Tonintervall des traditionellen Kinderlieds, zu hören sind. Bekannt ist, dass der Kuckuck auch in der großen Terz und in der Quarte rufen kann. Nicht belegt ist aber, ob ein einziger Vogel unterschiedliche Intervalle abwechselnd hervorbringt oder im Laufe seines Lebens überhaupt sein Intervall ändert. Wenn, dann nicht kurzfristig, sondern höchstens von Jahr zu Jahr, glaubt Karsten Gärtner, der sich seit 45 Jahren mit dem Kuckuck befasst und sogar über ihn promoviert hat. Belegen lässt sich diese These nicht, denn um die Kuckucke eindeutig voneinander zu unterscheiden, müssten sie entsprechend markiert werden, räumt Karsten Gärtner ein. Das ist bisher noch nicht passiert. Allerdings wurden in jüngster Zeit schon einige Exemplare mit Sendern ausgestattet, die Informationen liefern zu Aufenthaltsorten im Winter oder aber Zugrouten. Vielleicht auch ein erster Schritt, um dem Kuckucksruf auf die Schliche zu kommen.

Redaktion:
Martin Gent

Stand: 25.09.2014, 16:05