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Der Schatz im Schlamm

Selbstfahrender Gülleausbringer organischer Gülle

Wie NRW seinen Klärschlamm verwertet

Der Schatz im Schlamm

Von Anne Preger

Klärschlamm ist kein Abfall. Er enthält Nährstoffe wie Phosphor. Trotzdem will die Bundesregierung nicht mehr, dass Felder mit Klärschlamm gedüngt werden. Neue Wege für die Klärschlamm-Nutzung werden aber erst noch erprobt.

In den kommunalen Kläranlagen Nordrhein-Westfalens entstehen pro Jahr rund 400.000 Tonnen Klärschlamm. Obwohl er meistens auch Schadstoffe enthält, ist Klärschlamm eher ein Rohstoff als ein Abfall. Der Schlamm enthält wertvolle Bestandteile, zum Beispiel Phosphor. Deswegen werden Felder mit Klärschlamm gedüngt. Dieser Verwertungsweg ist für Kommunen kostengünstig und spart Landwirten einen Teil ihres Düngers.

Politische Überlegungen

Trotzdem will das Land NRW schon seit Jahren nicht mehr, dass Klärschlamm auf Felder ausgebracht wird. Als Argument wird Umwelt- und Verbraucherschutz angeführt. Klärschlamm, mit dem gedüngt wird, muss zwar regelmäßig nach den Vorgaben von Klärschlamm- oder Düngemittel-Verordnung untersucht werden. Die Belastung des Schlamms mit Schadstoffen ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Sorgen machen den Behörden aber anscheinend Schadstoffe, die im Klärschlamm nicht standardmäßig kontrolliert werden, z. B. Hormone, Arzneimittelrückstände oder neuartige Industriechemikalien. Deren Verhalten in der Umwelt ist zum Teil noch nicht vollständig geklärt. Im Koalitionsvertrag der schwarzroten Bundesregierung von 2013 heißt es: " Wir werden die Klärschlammausbringung zu Düngezwecken beenden und Phosphor und andere Nährstoffe zurückgewinnen."

Weg vom Acker                                                                    

Seit Anfang 2015 gelten für Klärschlamm strengere Grenzwerte für Quecksilber und Cadmium. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz hat  für NRW hochgerechnet, dass bis zu 10% der bis dahin landwirtschaftlich verwerteten Klärschlämme nun nicht mehr auf diese Weise verwertet werden können, sofern die Belastung der Schlämme nicht vermindert wird. Allerdings landete in NRW zuletzt sowieso nur noch rund ein Fünftel des Klärschlamms auf dem Acker. Drei Viertel des kommunalen Klärschlamms wurde 2013 verbrannt, ein Teil davon zusammen mit anderem Material in Kohlekraftwerken, Müllverbrennungsanlagen oder Zementwerken, ein anderer in sogenannten Monoverbrennungsanlagen.

Ran an die Asche

Thermisch getrockneter Klärschlamm kann als Brennstoff oder Dünger eingesetzt werden

Thermisch getrockneter Klärschlamm kann als Brennstoff oder Dünger eingesetzt werden

Bei der Mitverbrennung gehen sämtliche Nährstoffe verloren. Wird hingegen wie in Monoverbrennungsanlagen ausschließlich Klärschlamm verbrannt, sind die Wertstoffe in der reinen Klärschlamm-Asche konzentriert. Mehrere Verfahren wurden bereits entwickelt, um Phosphor aus der Asche zu gewinnen und daraus Dünger herzustellen. Großtechnisch im Dauereinsatz ist aber in Deutschland bislang keins.

Die einfach abbaubaren Phosphorvorkommen sind global endlich und konzentrieren sich auf wenige Länder. Die Europäische Kommissionhat Phosphor deswegen als "kritischen Rohstoff" eingestuft. Trotzdem ist es zur Zeit immer noch billiger, Dünger aus Rohphosphaten herzustellen als aus Klärschlammasche. Das kann sich in Zukunft ändern.

Was lange währt

Der Ausstieg aus der direkten landwirtschaftlichen Nutzung von Klärschlamm wird politisch propagiert, ohne dass die sonstigen Verwertungsverfahren schon praxisreif sind. Welche Strategie die Bundesregierung genau verfolgt, wird eine neue Fassung der Klärschlamm-Verordnung zeigen. Sie ist seit Jahren in Arbeit. Der neue Textentwurf wird vermutlich im Laufe des Jahres 2015 veröffentlicht. Wahrscheinlich wird es Übergangsfristen für den Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Verwertung des Schlamms geben. Im Raum stehen zehn Jahre. Diese Zeit können die Ingenieure gut nutzen, um den Schatz im Klärschlamm auf anderem Weg zu heben.

Redaktion:
Detlef Reepen

Stand: 20.01.2015, 16:05