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Sonne am Arbeitsplatz ist riskant

Zwei Bauarbeiter mit freiem Oberkörper auf eine Großbaustelle bei Hitze

Service Gesundheit – Hautkrebs als Berufskrankheit

Sonne am Arbeitsplatz ist riskant

Von Sybille Seitz

Dachdecker, Straßenarbeiter, Landwirte und viele andere Arbeitnehmer sind berufsbedingt der Sonne ausgesetzt. Wenn sie deswegen Hautkrebs bekommen, wird das ab 2015 als Berufskrankheit anerkannt. 

Sogenannte "Outdoorworker", also Menschen, die den ganzen Tag unter freiem Himmel arbeiten, müssten sich eigentlich besonders gut vor UV-Strahlen schützen. Doch in einigen Berufsgruppen gilt Sonnencreme als "uncool". Und vor fünfzehn oder zwanzig Jahren haben Arbeitnehmer sich kaum Gedanken darüber gemacht, dass UV-Strahlung die Haut schädigen und Krebs verursachen kann. Die Quittung zahlt man Jahre später: Wer mehr oder weniger täglich draußen arbeitet, trägt ein doppelt so hohes Hautkrebsrisiko wie der Durchschnitt der Bevölkerung.

Die Haut vergisst nichts

Die Haut hat sozusagen ein "Sonnenkonto", auf das jeder Mensch im Laufe seines Lebens einzahlt. Jeden Tag kommen ein paar UV-Strahlen dazu und irgendwann ist das Konto voll - je nach Hauttyp früher oder später. Das kann zu einer drastisch beschleunigten Hautalterung und im schlimmsten Fall zu Hautkrebs führen.

Gestützt durch eine Vielzahl nationaler und internationaler Studien gibt es heutzutage ausreichend Belege dafür, dass bestimmte Hautkrebserkrankungen wie Plattenepithelkarzinome sowie ihre Frühformen, die aktinischen Keratosen, durch eine langjährige, berufsbedingte Sonnenstrahlung verursacht werden können. Verantwortlich dafür sind UV-A und UV-B-Strahlen.

Hautkrebs wird Berufskrankheit

Zum 01. Januar 2015 wird Hautkrebs erstmalig als Berufskrankheit anerkannt, wenn bestimme Kriterien erfüllt sind. Die  Diagnose "Plattenepithelkarzinom" oder "multiple aktinische Keratose" muss gestellt sein. Das betroffene Hautareal muss bei der Arbeit langjährig und direkt der Sonnenstrahlung ausgesetzt gewesen sein. "In der Praxis heißt das, der Betroffene muss 40% zusätzliche UV-Strahlung in seinem Leben durch den Beruf empfangen haben.

Wenn zum Beispiel mit 60 Jahren erstmals Hautkrebs auftritt, heißt das, dass der Betroffene etwa 18 Jahre in dem Beruf eines Außenarbeiters tätig gewesen sein muss.“, sagt Prof. Swen Malte John von der Universität Osnabrück.

Leistungen der Unfallversicherung

Bestätigt der Arzt den Verdacht auf hellen Hautkrebs, stellt er eine Berufskrankheitenanzeige bei der Unfallversicherung. Bei einem positiven Bescheid, bezahlt die Versicherung medizinische Leistungen. Die Betroffenen können mit einer deutlichen Stärkung der ambulanten und stationären Versorgung rechnen. In einigen Fällen ist mit Rentenzahlungen zu rechnen.

Vorbeugen ist die beste Strategie

Damit nicht mehr so viele Menschen berufsbedingten Hautkrebs bekommen, wird über Strategien zum Sonnenschutz am Arbeitsplatz nachgedacht. Dermatologen und Arbeitgeber suchen hier gemeinsam nach Lösungen.

Man könnte beispielsweise die Arbeitszeit einiger "Outdoorworker" in die Früh- oder Abendstunden verlegen, so dass die Mitarbeiter nicht in der prallen Sonne arbeiten müssen. Außerdem sollten Sonnenschutzkleidung und das Auftragen von Hautschutzmitteln zur Selbstverständlichkeit werden.

App "Haut&Job" gibt erste Hilfe

Die typischen Anzeichen für berufsbedingte Hautprobleme werden oft unterschätzt oder einfach übersehen. Hier gibt die App "Haut&Job" mit einem kurzen Selbsttest Hilfestellung, auffällige Hautveränderungen besser einschätzen zu können. Außerdem findet man eine bundesweite Hautarztsuche sowie Anlaufstellen und wichtige Adressen. Im Zweifelsfall ist es zwingend erforderlich, zum Hautarzt zu gehen. 

Redaktion:
Monika Kunze

Stand: 23.12.2014, 16:05