Früh erkennen, gut behandeln

Der Blutzuckerspiegel wird mit einem Messgerät durch Blutentnahme aus der Fingerkuppe bestimmt

Diabetes bei Kindern

Früh erkennen, gut behandeln

Von Monika Kunze

Am Weltdiabetestag wird vor allem über Diabetes bei Erwachsenen gesprochen. Aber auch Kinder sind betroffen. Ein Früherkennungsprogramm soll dabei helfen, die kleinen Patienten schnell und gut zu versorgen.

Kinder erkranken meistens am Typ-1-Diabetes. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit. Das bedeutet: Das körpereigene Immunsystem richtet sich gegen die Zellen der Bauchspeicheldrüse und zerstört sie. Die Bauchspeicheldrüse kann dann nicht mehr genug Insulin produzieren. Der über die Nahrung aufgenommene Zucker wird nicht mehr in die Zellen geschleust, sondern sammelt sich im Blut. Die Betroffenen müssen Insulin spritzen.

Studie zur Früherkennung

Das Helmholtz-Zentrum München startet in Bayern eine Studie zur Diabetesfrüherkennung. Ein Jahr lang werden dabei Kinder zwischen zwei und fünf Jahren kostenlos untersucht: Der Arzt entnimmt den Kindern eine kleine Blutprobe aus dem Finger und lässt diese auf Inselantikörper untersuchen. Findet das Labor solche Antikörper, wird das Kind wahrscheinlich an Diabetes vom Typ 1 erkranken. Das kann einige Monate oder auch erst Jahre später passieren.

Vorteile der Früherkennung

Wenn Kinder häufig Durst haben oder häufig müde sind, denkt man normalerweise nicht direkt an Diabetes. Durch Früherkennung vorgewarnte Eltern aber können die typischen Anzeichen der Krankheit erkennen und schnell reagieren. Eine lebensbedrohliche Überzuckerung lässt sich dadurch verhindern. Der Arzt kann den Stoffwechsel des Kindes regelmäßig überwachen und mit den Eltern entscheiden, wann eine Insulinbehandlung nötig wird.

Heilung noch nicht möglich

Auch wenn das Problem früh erkannt ist, lässt sich Diabetes vom Typ 1 derzeit nicht heilen oder verhindern. Wissenschaftler suchen aber nach einer geeigneten Therapie. Ein Ansatz ist es, eine Art Impfung zu entwickeln. Sie soll das Immunsystem dazu bringen, sich wieder normal zu verhalten und die körpereigenen Zellen der Bauchspeicheldrüse nicht mehr anzugreifen. Die Impfung und andere Therapieansätze werden in Studien erprobt. Kinder, bei denen die Diabetesveranlagung erkannt worden ist, können an solchen Studien teilnehmen.

Warum nur in Bayern?

Systematische Diabetesfrüherkennung für Kinder gibt es vorerst nur in Bayern. Im Rahmen eines Modellprojektes wollen Forscher der Helmholzgesellschaft hier herausfinden, was die Vor- und Nachteile der Diabetesfrüherkennung sind. Sollte sich herausstellen, dass der Nutzen den Aufwand rechtfertigt, gäbe es gute Argumente für eine bundesweite Früherkennungsuntersuchung.

Hörfunkbeitrag von Christina Sartori

Stand: 14.11.2014, 16:05

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