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Mit Bilderbüchern Gesundheit fördern

Mutter schaut sich mit Tochter ein  Bilderbuch an

Service Bildung - BilderBuchApotheke

Mit Bilderbüchern Gesundheit fördern

Von Eleonora Pauli

Wenn Kinder lernen, ihre Gefühle auszudrücken und Konflikte zu lösen, können Bilderbücher dabei helfen. Dabei geht es nicht nur ums Vorlesen, sondern um einen spielerischen Umgang mit Bildern und Geschichten.

Auch Kinder leiden zunehmend unter stressbedingten Krankheiten wie ADHS, Burnout oder Migräne. Das phantasievolle Arbeiten mit Bilderbüchern kann Kindern dabei helfen, eine Sprache für Konflikte zu finden und auf diese Weise einen Entspannungsprozess herbeiführen – so die Idee von Angela Thamm. Mit ihrer BilderBuchApotheke bietet sie Workshops an, in denen Kinder und Eltern lernen, das therapeutische Potential von Bilderbüchern auszuschöpfen. Dabei geht es nicht nur ums Vorlesen, sondern um einen ganzheitlichen Ansatz, den jeder umsetzen kann.

Wer steckt dahinter?

Das Konzept der BilderBuchApotheke hat die Aachener Psychotherapeutin und Gründerin des Instituts für Spiel und Sprache, Angela Thamm, entwickelt. Über die Poesie- und Bibliotherapie kam die Germanistin zum Bilderbuch. Vor einigen Jahren bemerkte sie, dass sich ihre Patienten immer weniger ihrer Phantasie bedienten und Schwierigkeiten hatten, auf eine reiche Sprache für ihre Geschichten zurückzugreifen. Damals begann Angela Thamm in ihrer psychotherapeutischen Praxis Bilderbücher einzusetzen. Heute reist sie mit ihrem Projekt in verschiedene Städte und Länder und gibt ihre Idee an andere weiter. Unterstützt wird sie dabei bisher vom Goethe-Institut.

Wie funktioniert die BilderBuchApotheke?

In einer ersten Phase werden die Kinder spielerisch an ein Bilderbuch herangeführt, das ein bestimmtes Problem thematisiert. Unter einem großen Tuch sind Requisiten aus dem Buch versteckt, die es zu finden und zu benennen gilt. Später entwickeln die Kinder im Gespräch miteinander Geschichten, in denen die gefundenen Objekte vorkommen – Phantasie und Mut zur Sprache sind gefragt. In einem weiteren Schritt wird das Bilderbuch vorgelesen, dann szenisch umgesetzt und in einer letzten Phase weiterentwickelt. Zum Beispiel indem die Geschichte fortgesetzt oder neu illustriert wird. Eigene Bilder und Texte entstehen.

Was bringt es Kindern?

Indem sie eigene Szenen für Konfliktlösungen erdenken, entwickeln Kinder innere Bilder und Sprachkompetenzen, auf die sie in schwierigen Situationen zurückgreifen können. Ihre Resilienz, also ihre Fähigkeit, persönliche Krisen zu meistern, wird gestärkt und es kommt zu einer Stressminderung. In unserem multimedial überlasteten Alltag sei es immer schwieriger, innere Regulationsräume zu finden, sagt Angela Thamm. Dabei spiele Sprache eine wichtige Rolle. Nur wer seine Emotionen artikulieren könne, sei in der Lage, Konflikte zu lösen. Leseförderung allein sei aber nicht ausreichend, um Kindern eine Sprache der Gefühle zu vermitteln. Hierzu müssten Körper und Geist aktiv eingesetzt werden. Deshalb versteht sich die BilderBuchApotheke als eine Brücke zwischen Gesundheitsförderung und Bildung.

Wer kann mitmachen?

Die BilderBuchApotheke richtet sich mit Fortbildungen vor allem an Erwachsene, die sich für die kreative Arbeit mit Bilderbüchern interessieren. Workshops sind auch mit Kindergruppen möglich, beispielsweise an Schulen im Großraum Köln oder in Berlin. Das Konzept eignet sich für alle Altersgruppen. Die Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut werden auf der Website des Instituts für Spiel und Sprache bekanntgegeben.

Redaktion:
Maike Westphal

Stand: 25.09.2014, 16:05

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