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Bestattung im Laugebad

Resomator in St Petersburg (USA)

Emissionsarme letzte Reise

Bestattung im Laugebad

Verstorbene werden üblicherweise beerdigt oder verbrannt. In Zukunft könnte es noch eine weitere Form der Bestattung geben. Der Leichnam wird dabei in Lauge aufgelöst, ein Trend der jetzt möglicherweise aus den Niederlanden zu uns nach Deutschland kommt.

"Es gibt aus der gewachsenen Kultur und Tradition unseres Landes zwei Formen der Bestattung: Das klassische Grab auf dem Friedhof. Oder die Verbrennung im Krematorium, wobei die Asche anschließend beigesetzt wird. Bei der neuen Methode wird der Leichnam in einen so genannten Resomator geschoben. Ein Gerät aus Stahl, das wie eine überdimensionierte Waschmaschine wirkt und siedend heiße Kalilauge enthält. In dem Reaktor wird der Leichnam chemisch aufgelöst.

John Heskes, Innovationsmanager beim größten niederländischen Bestattungsunternehmen Yarden: "Man braucht 500 Liter Wasser und eine gewisse Menge Kalilauge", erklärt John Heskes, Innovationsmanager beim größten niederländischen Bestattungsunternehmen Yarden. "Wir verriegeln die Tür und heizen das System auf, bis 150 Grad Celsius. Es kommt ein Prozess in Gang, bei dem der Körper innerhalb von zwei bis drei Stunden zersetzt wird." Was übrig bleibt, ist weißes Pulver. Das sind die Überreste der Knochen.

In den USA bereits genehmigt

Resomator in St Petersburg (USA)

Resomator in St Petersburg (USA)

In den USA laufen bereits drei solcher Anlagen. Über tausend Tote seien inzwischen in Resomatoren bestattet worden, wie Heskes sagt. Das Thema rückt jetzt näher an uns heran. In den Niederlanden hat das Parlament in diesen Tagen erstmals über das Verfahren diskutiert. Bestattungsunternehmen wie Yarden möchten es anwenden und streben deshalb eine Gesetzesänderung in unserem Nachbarland an. Denn noch ist die Resomation nicht erlaubt.

Für viele Leute ist der Gedanke angenehmer, in Wasser statt in Feuer bestattet zu werden. Wobei die Resomation eigentlich der Beerdigung eines Leichnams im Sarg gleicht. Nur dass die Zersetzung des Körpers beschleunigt wird. "In der Friedshofserde, sagt Heskes, dauere das mehr als zehn Jahre. Aber das Ergebnis sei genau das gleiche.

Verfahren erinnert an Mafia-Praktiken

Säure-Warnschild

Salzsäure kann die Haut verätzen

Kritiker des Verfahrens sehen das anders. Sie monieren, die Verwesung im Sarg sei schon noch etwas anderes als die schleunige Auflösung in Lauge. Manche fühlen sich bei der Resomation sogar an die Mafia-Praktik erinnert, Verbrechensopfer einfach im Säurebad verschwinden zu lassen. Große ethische Bedenken hat man auch beim Bundesverband Deutscher Bestatter in Düsseldorf. Dessen Sprecher Oliver Wirthmann kritisiert, "dass wir hier auch schon im Bereich von Tod und Sterben, einem existenziellen Thema, uns an dem orientieren, was technisch möglich ist, nicht an dem, was ethisch geboten ist." Bei Resomation gehe es darum, Leute schnell zu entsorgen oder sozusagen aufzulösen. "So etwas ist unserer Ansicht nach, meiner Einschätzung nach, unnötig wie ein Loch im Kopf."

Laugebad als grüner Weg?

Befürworter der Bestattung im Alkali-Tank behaupten, die Methode sei besonders umweltfreundlich. Hersteller der Resomatoren preisen den, wie sie sagen, "grüneren Weg, dahinzuscheiden". Doch ist das wirklich so?

Die niederländische Forschungsorganisation TNO hat das überprüft. Zunächst in einer Studie für die Regierung in Den Haag. Und dann noch einmal im Auftrag von Yarden, der Bestattungsfirma. Der jüngste Report ist ein paar Wochen alt. Zu den Autoren zählt die Umweltwissenschaftlerin Elisabeth Keijzer. Tatsächlich, sagt sie, schneidet die Resomation bei der Untersuchung viel besser ab als die Verbrennung im Krematorium: "Da ist es so, dass der Ofen im Krematorium auf um die tausend Grad Celsius geheizt wird. Bei der Resomation legt man den Körper dagegen in Wasser, das nur 150 Grad heiß ist." Energieverbrauch und Klimabelastung seien dabei um den Faktor zehn geringer. Auch andere Punkte in der Öko-Bilanz sprechen eher für den Wassertank als für den Verbrennungsofen. So dass die Bestattung im Resomator wohl nicht zu Unrecht als das nachhaltigere Verfahren bezeichnet wird.

Laugebad anerkannt von der Bevölkerung?

Ob es die Resomation tatsächlich demnächst in den Niederlanden geben wird, und eines Tages vielleicht auch in Deutschland - das hängt vor allem davon ab, was die Bevölkerung darüber denkt. Das möchte auch John Heskes gerne wissen. Seine Firma Yarden bereitet deshalb gerade eine weitere Studie vor. "Wir wollen mit der Verbraucherbefragung noch vor Jahresende beginnen und hoffen, dass wir die Ergebnisse unserem Innenministerium im März vorlegen können."

Der Firmenmanager ist zuversichtlich. In zwei bis drei Jahren rechnet Heskes mit der Genehmigung des Verfahrens, wie er sagt. Dann wolle sein Unternehmen die Resomation als zusätzliche Bestattungsform anbieten. Dass die Wassertank-Methode später auch den Sprung nach Deutschland schafft, will Oliver Wirthmann vom Bundesverband Deutscher Bestatter gar nicht ausschließen. Eine starke Verbreitung kann sich der Theologe aber nicht vorstellen: "Viele Menschen sagen bei derlei Beiträgen, die sie jetzt vielleicht auch im Radio hören: Ach Gott, ist das interessant! Wenn es aber um die eigene Oma geht, sagt man: Nee, lassen wir Oma doch besser mal das Grab, wo auch Opa schon liegt."

Autor des Radiobeitrags ist Volker Mrasek.

Stand: 31.10.2014, 16:05

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