Das Mitmachlexikon

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Service Bildung - Gebrauchsanleitung für Wikipedia

Das Mitmachlexikon

Von Achim Killer

Die Wikipedia ist eine der beliebtesten Seiten im World Wide Web. Aber wie funktioniert dieses Online-Lexikon eigentlich? Wer schreibt die vielen Beiträge? Und wie sehr kann man sich darauf verlassen, was man dort liest?

Mit 30 Millionen Artikel in 280 Sprachen hat Wikipedia längst herkömmliche Enzyklopädien wie den Brockhaus und die Encyclopaedia Britannica verdrängt. Über 6000 ehrenamtliche Autoren schreiben allein bei der deutschen Ausgabe mit. Wikipedia ist sowohl ein Online-Lexikon, als auch ein soziales Experiment. Getragen wird die Online-Enzyklopädie vom Wikimedia-Verein, der um Spenden wirbt und die Web-Server betreibt. Was online gestellt wird, das bestimmen aber allein die Wikipedianer. Und jeder kann dabei mitmachen.

Lesenswerte und exzellente Artikel

Über alles, was in Wikipedia steht, ist diskutiert und abgestimmt worden. Beispielsweise darüber, ob ein Artikel als gut ("lesenswert") oder sehr gut ("exzellent") bewertet wird. Ein blaues L oder ein grünes Sternchen rechts oben, weisen die prämierten Beiträge aus.

Änderungen werden dokumentiert

Deshalb steht auch nicht nur der fertige Artikel im Web, sondern auch seine gesamte Entstehungsgeschichte. Die Diskussion darüber und Änderungen, die vorgenommen wurden, sind vollständig dokumentiert: Wer den dritten Reiter rechts oben, die "Versionsgeschichte", anklickt, kann sämtliche Vorversionen rekonstruieren. Bei manchen Beiträgen sind es mehrere hundert.

Texte mit Quellen belegen

"Nein, man kann sich nicht darauf verlassen, was in Wikipedia steht", räumen aktive Wikipedianer freimütig ein. Das sollte man auch bei anderen Publikationen nicht. Aber alles kann überprüft werden. Wer ernsthaft mitarbeiten will, sollte seinen Text deshalb mit verlässlichen Quellen belegen.

Sichter verhindern Schmierereien

Für Fälle, in denen sich eine Diskussion nun wirklich nicht lohnt oder aus dem Ruder zu laufen droht, wählen die Wikipedianer so genannte Sichter und Administratoren. Die Hauptarbeitszeit der Sichter fällt mit der großen Pause zusammen, wenn Schüler mit ihren Smartphones auf dem Schulhof stehen. Dann kommen im Sekundentakt digitale Schmierereien übers Netz, die sich meist mit dem befassen, was pubertierende Jugendliche nun mal vor allem umtreibt. In der "Versionsgeschichte" hinterlassen diese Schmierereien ihre Spuren. Auf die erste Seite eines Artikel gelangen sie hingegen nicht. Das verhindern die Sichter, die offenkundig unsinnige Einträge verwerfen.

Bizarre Diskussionen

Administratoren können Diskussionen auch abbrechen, wenn sich Autorengruppen – oft aus politischen Motiven - um den Inhalt eines Artikels streiten und immer wieder dieselben Änderungen vornehmen und rückgängig machen. Autoren, die die Wikipedia-Regeln derart massiv verletzen, können sie auch eine Zeit lang von der Mitarbeit ausschließen.

Jeder darf mitschreiben

Der wichtigste Reiter aber ist der davor: "Bearbeiten". Hier kann im Prinzip jeder Beiträge verändern. Besonders brisante allerdings sind für die anonyme Bearbeitung gesperrt. Dafür muss man sich dann ein Nutzerkonto anlegen, was auch unter einem Pseudonym geschehen kann. Ein Link unter "Bearbeiten" führt zum Anmeldeformular, ein anderer zur "Spielwiese", wo Neueinsteiger erst einmal ein bisschen üben können.

Kein Platz für Selbstdarsteller

Mittlerweile ist Wikipedia eine der beliebtesten Seiten im World Wide Web. Klar, dass auch eitle Zeitgenossen und Unternehmen sich dort gerne verewigt sehen würden, indem sie Artikel über sich selbst oder Schleichwerbung zu platzieren versuchen. Sie scheitern allerdings meist am "Relevanz-Kriterium", das die Wikipedianer für ihr Medium aufgestellt haben. Es verhindert, dass unbedeutenden Klitschen oder bloßen Selbstdarstellern ein eigener Lexikonbeitrag gewidmet wird. Und Werbe- und PR-Agenturen fallen aufmerksamen Wikipedianern sehr schnell durch ihren unsachlichen Schreibstil auf. Die englische Wikipediaausgabe hat im Herbst 250 Nutzerprofile von vermeindlichen Auftragschreibern gesperrt.

Redaktion:
Maike Westphal

Stand: 02.01.2014, 16:05

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