Live hören
Jetzt läuft: Alles was sie will von Heinz Rudolf Kunze

Vinyl is back!

Vinylschallplatten

Vinyl is back!

Von Stephan Karkowsky

Totgesagte leben länger – so scheint es gerade der guten alten Vinylschallplatte zu gehen. In der ersten Dezemberwoche erzielte die Musikindustrie in Großbritannien erstmals mehr Umsatz mit dem Verkauf der schwarzen Scheiben, als mit digitalen Downloads.

Woran liegt das wohl? Stephan Karkowsky hat eine ganz eigene Theorie.

Vinyl is back!

WDR 4 Zur Sache | 06.01.2017 | 02:00 Min.

Download

Nein, ich werde mich jetzt nicht streiten mit Ihnen darüber, was besser klingt: CD oder Vinyl. Diese Diskussion war schon immer eine postfaktische: Das Gefühl entscheidet! Argumente wie "klingt wärmer" oder "nicht so komprimiert" mögen Psychologen beschäftigen, Akustiker schütteln darüber nur den Kopf. Egal: Hauptsache, es knistert!

Und relativieren muss man die britische Jubelmeldung auch: Es war kurz vor Weihnachten, und ein Downloadgutschein macht einfach nicht so viel her, wie eine Schallplatte. Der Opa sieht immer sooo niedlich aus, wenn er die in seinem Raucherzimmer auf den alten Dual wuchtet … und dann eine Träne vergießt über David Bowie, dessen Abschiedsalbum Black Star bei den Verkäufen ganz vorne stand.

Gefolgt übrigens von Klassikern wie Fleetwood Mac's Rumours, Purple Rain von Prince und Nirvanas Nevermind. Das lässt vermuten, dass die Käufer nicht die Jüngsten sind. Sondern kaufkräftige Ex-Jugendliche über 50. Die eine einfache Rechnung aufmachen: Bob Marleys Album Legend kostet mich als Download zehn Euro. Für fünf Euro mehr krieg ich das Vinyl und den Downloadcode gratis dazu.

Ich vermute: Auch viele Ältere nutzen längst günstige Streamingdienste wie Spotify und investieren das gesparte in das schwarze Gold, das dann doch wieder wie Blei in den Regalen liegt.

Sammler befreien die Platte nicht mal aus ihrem Zellophangefängnis. Und wenn doch, dann wird das Auflegen als haptische Messe zelebriert. Die schwarze Scheibe rutscht sanft geführt aus dem Innencover. Die Nadel berührt mit einem satten Plopp das Vinyl. Das leise Knistern der Einlaufrille, bevor die Musik beginnt. Ein, zweimal im Jahr, und zurück geht’s in den Schrank.

Außerdem sind die großen Cover uns Lesebrillenträgern allemal lieber, als die Sehtestschriftgrößen auf CD’s. Und, machen wir uns nichts vor: Nur 3,2 Millionen Vinylplatten wurden 2016 in Großbritannien insgesamt verkauft. Das schaffen große Künstler auch heute noch locker mit einem einzigen Album.

Stand: 06.01.2017, 13:20