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Kommentar: In der Supermarkt-Schlange – Ich lass mich nicht mehr hetzen!

Kasse

Kommentar: In der Supermarkt-Schlange – Ich lass mich nicht mehr hetzen!

Von Jörg Brunsmann

Warum ist mein Leben eigentlich so hektisch? Fragen sich viele Menschen heute und versuchen, sich im Alltag etwas zu entschleunigen. Was gar nicht so einfach ist, wenn zum Beispiel der Chef drängelt oder die Maschine das Arbeitstempo vorgibt.

In der Supermarkt-Schlange – ich lass mich nicht mehr hetzen!

WDR 4 Zur Sache 12.07.2019 01:56 Min. Verfügbar bis 11.07.2020 WDR 4

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Es ist die Supermarktkasse. Ernsthaft! Es steht ja keiner gerne in einer langen Schlange; 20 vollgepackte Einkaufswagen vor einem, da kann einem schon mal die gute Laune vergehen. Weil die Supermärkte aber nicht ständig alle Kassen aufhaben – die Mitarbeiter haben ja noch jede Menge anderes zu tun – geht es nur dann zügig, wenn besonders schnell kassiert wird. Und das bekommen auch wir Kunden zu spüren.

Früher ging das ja so: Kassiererin oder Kassierer nehmen die Ware in die Hand und suchen nach dem Preisschild. Links oben? Ach ne, an der Seite klebt noch eins mit "Sonderpreis". Betrag in die Kasse eintippen, Ware an die Seite legen. Auf der nächsten Packung steht gar nichts, erstmal fragen: "Tina, wat kosten die Kekse?" Dann die Bananen, hat der Kunde nicht abgewogen; erst mal zurück in die Obstabteilung an die Waage. Da dauerte das Kassieren einfach seine Zeit. Und heute? Über den Scanner ziehen, es piepst – und selbst die Bananen werden ganz oft direkt an der Kasse gewogen.

Ja, es geht schneller – was eigentlich toll ist. Aber es macht alles eben auch deutlich hektischer. Ich komme oft gar nicht so schnell nach, die Sachen wieder in den Einkaufwagen zu legen. Den Einkauf noch ein bisschen ordnen – stabile Milchkartons nach unten, die empfindlichen Eier nach oben? Vergiss es.

Und darum bin ich jetzt ausgestiegen aus dem Rennen um immer mehr Geschwindigkeit an der Kasse. Ich bin Kunde, ich bin der König und ich geb das Tempo vor. Zügig, aber nicht hektisch räume ich jetzt meine Sachen in den Wagen. Ich nehm mir ein klein bisschen Zeit, um alles ordentlich reinzulegen – und nicht mehr wie bisher, wo ich alles im Eiltempo in den Wagen geschmissen habe. Unfair, weil ich die anderen damit aufhalte? Ich sag mal so: Beschwert hat sich bis jetzt keiner; ich mach da ja auch keinen Bummelstreik draus. Dafür gab es aber den ein oder anderen netten Smalltalk mit der Kassiererin. Und das ein oder anderen Lächeln mit den anderen Kunden in der Schlange.

Und ist das nicht der eigentliche Sinn von Entschleunigung? Weniger Hektik und etwas mehr Zeit für die Dinge, die unser Leben eigentlich ausmachen.

Stand: 12.07.2019, 13:10