Standspur für flüssigen Verkehr

Standspur wird befahren gegen Stau.

Standspur für flüssigen Verkehr

Von Irene Geuer

Es gibt ja Menschen, die an einem Freitagnachmittag freiwillig ein Stündchen länger im Büro bleiben, weil sie keine Lust auf den Stau im allgemeinen Feierabendverkehr haben. Landesverkehrsminister Hendrik Wüst will jetzt mehr Standstreifen auf den Autobahnen zeitweise für den Verkehr freigeben. Gute Idee, sagt Irene Geuer.

Standspur für flüssigen Verkehr

WDR 4 Zur Sache | 13.10.2017 | 01:44 Min.

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Ja, denn es ist erwiesen, dass so ein freigegebener Standstreifen dafür sorgt, dass sich der Verkehrsfluss um 25 Prozent steigert. Oder anders gesagt: Seit dem vor sechs Jahren der Standstreifen auf der A57 vor den Toren Kölns in der Rush Hour befahrbar ist, komme ich früher nach Hause.

Also, die Idee von Verkehrsminister Wüst ist beileibe nicht neu, aber sie fortzuführen, ist sinnvoll. Und der große Bruder Bundesverkehrsministerium gibt dafür auch Geld, das macht die Sache einfacher, denn es müssen ja z.B. Schilder aufgebaut werden etc.

Und wo wir gerade beim Geld sind: Es ist natürlich auch tausend Mal preiswerter einen Standstreifen zu aktivieren, als die Autobahn auszubauen. Die Autofahrer auf der A3 zwischen dem Kreuz Hilden und Ratingen Ost und die auf der A52 zwischen Mönchengladbach-Nord und dem Kreuz Neersen können sich freuen, wenn denn dann alles installiert ist, was noch ein bis zwei Jahre dauert.

Das ist der Wehrmutstropfen an der Sache. Von heute auf morgen geht es nicht. Das muss gut geplant sein, denn der Standstreifen hat ja auch seinen Sinn für Pannenfahrzeuge. Und wenn es knallt auf der Autobahn, dann ist oft der Standstreifen die einzige Möglichkeit, für die Rettungsgasse noch auszuweichen, was so aber eigentlich nicht vorgesehen ist.

Mit anderen Worten: Wir müssen dringend Rettungsgasse lernen. Und wir können ganz klar auch selbst am Stau noch was ändern. Die Raser, die plötzlich in die Eisen gehen, so dass auch alle anderen dahinter bremsen, die sorgen auf vollen Autobahnen dafür, dass der letzte in die Schlange kracht. Wegen nix. Bzw. wegen einem, der keine Lust hatte, wie alle anderen 100 zu fahren. Oder beim Reißverschlusssystem: Diejenigen, die schon Kilometer vorher anfangen sich einzuordnen, sind schuld am Stau.

Also, wenn wir alle was tun und der Verkehrsminister noch seins drauf legt, dann könnten wir demnächst geruhsamer nach Hause kommen. Der Gedanke gefällt mir richtig gut.

Stand: 13.10.2017, 13:20