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Kommentar: Siegburg – Erste Hilfe schon da

Siegburg: Flammen schlagen aus dem Dachstühlen brennender Häusern an der Bahnstrecke in Siegburg. Nach einem Böschungsbrand direkt an der wichtigen Bahnstrecke Köln-Frankfurt hatten mehrerer Häuser Feuer gefangen.

Kommentar: Siegburg – Erste Hilfe schon da

Von Irene Geuer

Es hat, glaube ich, uns allen in Nordrhein-Westfalen die Sprache verschlagen, als wir die Bilder der brennenden Häuser in Siegburg gesehen haben. Bilder, die wir aus Kalifornien, Spanien oder Griechenland kennen.

Eine Böschung fängt Feuer und das entwickelt sich zum Flächenbrand. Aber bei all dem Leid für die verletzten Opfer – es gibt auch eine gute Nachricht. Die Hilfsbereitschaft hat sich auch wie ein Flächenbrand entwickelt. Ganz schnell ist sie da.

Kommentar: Siegburg – Erste Hilfe schon da

WDR 4 Zur Sache | 09.08.2018 | 02:01 Min.

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Ich bin stolz, dass wir das eigentlich doch jedes Mal so hinbekommen. Ob Oderhochwasser, Flüchtlinge 2015 oder jetzt der Brand in Siegburg. Das Schicksal anderer lässt uns nicht kalt. Wir sind da: Mit Klamotten, Kinderwagen, Föhn und Rasierer.

Unsere Keller oder Dachböden haben ordentlich was zu bieten. Wir werfen nichts weg, mag man glauben. Und jetzt erweist sich das wieder einmal als wunderbar. Die Sachen sind nicht auf dem Sperrmüll gelandet oder in der Kleiderrecyclingtonne, sondern sie kommen in Hände, die sie wirklich brauchen. Und gut, dass wir auch freimütig weggeben können.

Wie sagte eine junge Frau in Siegburg: "Man kann doch nicht zusehen, wie Menschen einfach ihr Haus verlieren." Nein, das geht auch nicht. Die Telefone in der Siegburger Stadtverwaltung haben ohne Unterlass geklingelt. Jetzt soll eine Spenden-Sammelstelle eingerichtet werden, damit das Helfen System bekommt. Gut so. Denn nichts ist ärgerlicher als Hilfe an der falschen Stelle.

Auch richtig schön ist, dass diese Einstellung, gleich aktiv zu werden, sich fortsetzt. Ein Flüchtling aus Syrien erzählte uns heute Morgen im WDR, dass auch er gespendet habe. Zwei Jacken. Er wolle nach der großen Hilfsbereitschaft ihm gegenüber auch etwas zurückgeben. Das rührt mich nicht nur, in mir wächst auch das Gefühl von "Richtig so". So muss es laufen. Helfen und es wird geholfen. Und das mit großer Selbstverständlichkeit.

Nicht ganz so selbstverständlich ist das erste Hilfsangebot der Bahn AG. 500.000 Euro, um die drängendsten Nöte zu beseitigen. Denn das Geld kommt, ohne dass die Schuldfrage an diesem Brand schon geklärt wäre. Das wird sicher für die Opfer erst einmal eine Erleichterung sein.

Aber bei aller materiellen Unterstützung, der große Schrecken wird dadurch nicht unbedingt kleiner. Da schaut man aus dem Fenster und plötzlich bewegt sich eine Feuerwand auf das Haus zu. Bilder, die uns als Fernsehzuschauer schon erschrecken. Die Kinder und Erwachsenen, die das live miterleben mussten, werden das wahrscheinlich nie vergessen. Die Seelen sind verletzt und müssen heilen. Das braucht Zeit, auch die sollten wir den Opfern schenken.

Stand: 09.08.2018, 13:10