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Man bleibt lieber beieinander

Ein Ehering auf einer Scheidungsurkunde (Dortmund)

Man bleibt lieber beieinander

Von Ferdinand Quante

Wie schön, wie schön! Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland so wenige Ehen geschieden wie seit 25 Jahren nicht mehr. 2017 ist also ein Jahr der guten Verbindungen, ein Scheidungsrückgang um immerhin 5,5 Prozent im Vergleich zu 2016.

Warum ist das so, fragt sich Ferdinand Quante ...

Wenn man nur dieses statistische Ergebnis hat, weiß man ja auch nicht viel. Ehescheidungen, niedrigster Stand seit 25 Jahren – das kann viele Gründe haben. Und schon fängt man an, sich seinen Reim darauf zu machen.

Vielleicht ist es schlicht so, dass die schlimmsten Ehen halt schon in den Jahren zuvor reihenweise zerbrochen sind, und die übriggebliebenen waren und sind dann mehrheitlich haltbar und halbwegs harmonisch. Weil ja auch viel mehr als früher geredet wird, auch gelesen, Eheratgeber gibt es en masse. In einer Beziehung sein heißt ja heute an einer Beziehung arbeiten – und 2017 ist dieses Ehehandwerk anscheinend extrem erfolgreich gewesen, und darum vieles gut.

Oder umgekehrt, vieles schlecht. Ich meine, es kann ja auch sein, dass einfach die Angst größer geworden ist, die Angst vorm Alleinsein nach einer Scheidung, vor allem bei älteren Eheleuten, die dann doch lieber bleiben als gehen. Alte Ehen müssen nicht unbedingt gut sein. Fragen Sie Seehofer, fragen Sie Merkel. Der reinste Krieg. Und das nach fast 70 Jahren der Verbundenheit von CDU und CSU. 70 Jahre! Das heißt, nächstes Jahr steht da die Eiserne, nein, sogar die Gnadenhochzeit an. Oder auch nicht.

Aber grad wo ich diese hohe Zahl 70 ausspreche, fallen mir die gnadenlos niedrigen Zinsen ein. Deshalb vielleicht die geringe Scheidungsrate? Wegen der niedrigen Zinsen wurden ja unglaublich viele Häuser gekauft und gebaut, das heißt, man lebt jetzt großzügiger denn je und hat so viele Zimmer und Räume, dass sich manche Eheleute womöglich tagelang nicht begegnen, bald schon einander nicht mehr kennen, bis am Ende keiner von beiden auch nur weiß, dass er überhaupt verheiratet ist.

So was drückt die Scheidungsstatistik, und wenn ich mir die so angucke: 1992 vergleichsweise wenige Trennungen, 2017 dann auch. Komischerweise halten Ehen besonders gut in der Zeit, in der Deutschland amtierender Fußballweltmeister ist. Ich hoffe, das ist nur Zufall. Sonst wird nach dieser WM eine Scheidungswelle auf uns zurasen – die Statistik möcht’ ich dann lieber nicht mehr sehen.

Man bleibt lieber beieinander

WDR 4 Zur Sache | 05.07.2018 | 02:08 Min.

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Stand: 12.07.2018, 13:10