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Kommentar: Welchen Zweitjob haben Sie?

Eine Stellenanzeige für einen Minijob auf 400 Euro Basis klebt im Schaufenster eines Textilgeschäfts.

Kommentar: Welchen Zweitjob haben Sie?

Von Jörg Brunsmann

Haben Sie die Meldung heute morgen auch gehört oder gelesen? Immer mehr Menschen in Deutschland haben einen Zweit- oder gar Dritt-Job. Etwa 3,5 Millionen Menschen sind so genannte "Multi-Jobber", sagt die Statistik. Das sind fast doppelt so viele wie noch vor 15 Jahren. Eine beunruhigende Entwicklung? Vielleicht kommt es eher darauf an, mit welcher Einstellung man da ran geht, findet Jörg Brunsmann.

Kommentar: Welchen Zweitjob haben Sie?

WDR 4 Zur Sache 21.01.2020 01:58 Min. Verfügbar bis 13.01.2021 WDR 4

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Ich bin da heute morgen in Sachen Jobs ja noch über eine zweite Meldung gestolpert. Die NRW-Landesregierung hat eine Zwischenbilanz ihres Hilfsprogramms für Langzeitarbeitslose gezogen. Man habe fast 12.000 Menschen dauerhaft helfen können, heißt es – und die scheinen dafür durchweg auch dankbar zu sein. Überschrift eines der Zeitungsartikel: "Ich sehe jetzt Perspektiven". Dauerhaft ohne Job ist anscheinend also auch nichts. Was ich auch nachvollziehen kann. Nicht nur das Geld wird knapp, vielen Menschen fehlen dann auch die Struktur und der Sinn im Leben.

Was aber ist mit den immer mehr Menschen, die mehr als einen Job haben? Sind die dann etwa besonders glücklich, weil ihr Leben doppelt Sinn ergibt? Die sich freuen, dass es soviel Arbeit gibt, dass man auch mehrfach zugreifen kann? Ich fürchte: Nein. Und die meisten haben deshalb einen zweiten Job, um überhaupt über die Runden zu kommen.

Wenn das ginge, ich würde ja gerne mal eine Woche in den 1950er oder 60er-Jahren leben. Um zu erfahren, ob der Beruf, das Leben unserer Eltern und Großeltern, damals eigentlich besser war. Denn ich glaube: Einen Zweit- oder Drittjob hatten die Generationen vor uns im Grunde auch. Die Kinder müssen beschäftigt werden? Früher hat man gemeinsam was gespielt oder ist spazieren gegangen. Heute übernehmen das Playstation, Netflix und Co. Gegen Bezahlung natürlich. Das gemeinsame Abendessen? Früher hat Mutti stundenlang in der Küche geschuftet, heute kann man das mit "convienience food" oder Pizza-Bringdienst bequemer haben. Kostet natürlich auch.

Und welches ist jetzt das bessere Leben? Das von früher – oder das, was viele von uns heute machen, das mit den "Multi-Jobs"? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Nur eins weiß ich: Es ist besser, das zu tun, was man wirklich tun will. Wer abgehetzt zum Zweit- oder Dritt-Job rennt, immer mit dem Gedanken: "Hoffentlich reicht das Geld"; wie soll man so glücklich werden? Wer aber sagt: "Lieber ein Zweit-Job, der Spaß macht, als stundenlang in der Küche stehen und kochen" – der wird so einen Mehrfach-Job wahrscheinlich sogar als Bereicherung ansehen.

Stand: 21.01.2020, 13:10