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Kommentar: Woodstock

Besucher auf dem Weg zum Wooddstock-Festival 1969

Kommentar: Woodstock

Von Ferdinand Quante

Ein kleines Musikhappening sollte es ursprünglich werden, ein gigantisches Festival kam am Ende dabei heraus. Vor 50 Jahren strömten Hunderttausende nach Woodstock, und wohl keiner von ihnen dürfte geahnt haben, dass der Name dieses Ortes zu einem Mythos werden würde. Nur, was genau macht den Mythos Woodstock eigentlich aus?

Kommentar: Woodstock

WDR 4 Zur Sache 15.08.2019 02:20 Min. Verfügbar bis 14.08.2020 WDR 4

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50 Jahre hatten wir Zeit, es zu vergessen, aber offensichtlich ist Woodstock nicht totzukriegen. Im Gegenteil, mit jedem runden Jahrestag scheint es immer lebendiger und größer zu werden.

Wenn das so ist, muss wirklich was dran sein an dem Mythos Woodstock. Vielleicht ist er so beständig, weil er bereits während des Festivals entstanden war. Heftiger Regen hatte das Gelände in ein Schlammloch verwandelt, als Max Yasgur, dem das Gelände gehörte, ans Bühnenmikro trat. Yasgur war ein Farmer mit dem Gespür eines waschechten Hippies. Er bedankte sich für den Beweis, der hier an Ort und Stelle erbracht wurde, den Beweis nämlich, dass eine halbe Million Menschen zusammenkommen können, um einfach nur Musik zu hören und Spaß zu haben.

Genau dieser unschuldige Blick des einfachen Farmers ist die Perspektive, aus der Woodstock bis heute gesehen wird. Wer sich etwas näher mit dem Festival befasst hat, weiß allerdings, dass nicht alles Friede, Freude und Flowerpower war.

Die Ur-Idee für Woodstock hatte mit Hippietum bekanntlich nichts zu tun. Zwei Musikproduzenten wollten ihr neues Studio promoten und zur Eröffnung ein paar Bands spielen lassen. Ums Geschäft ging es hier, und auch später, als aus dem kleinen Musikding der große Brocken Woodstock geworden war, spielte Geld eine Rolle, nicht nur bei den Organisatoren. Der Manager von The Who wollte die Band zunächst nur gegen Vorkasse auftreten lassen, und ja, der The-Who-Gitarrist Pete Townshend hat einen Kameramann von der Bühne geprügelt, und dass rund 800 Mal Notärzte gerufen wurden, um lebensgefährlich zugedröhnte Festivalteilnehmer zu behandeln, ist auch Teil der Woodstock-Geschichte.

Aber eben doch nur der kleinere Teil. Im großen Ganzen war Woodstock eine außergewöhnlich friedfertige Insel, umgeben von harten Realitäten: Vietnam, der kalte Krieg, Aufrüstung, atomare Bedrohung, der Rassismus in den USA.

Drei Tage lang wurde den schrecklichen Tatsachen etwas entgegengesetzt, von einer halben Million Menschen, die zusammenkamen, um Musik zu hören und Spaß zu haben. Und nichts anderes macht den Mythos Woodstock aus, die schlichte Erkenntnis nämlich, dass es einmal möglich war.

Stand: 15.08.2019, 13:10