Kommentar: Wo spenden Sie denn bitte?

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Kommentar: Wo spenden Sie denn bitte?

Von Jörg Brunsmann

Nur noch zwei Tage, dann ist schon erster Advent. Und mit dem Beginn der Vorweihnachtszeit fängt auch wieder die Spendenzeit an. Keine größere Organisation, die nicht jetzt besonders intensiv um Spendengelder wirbt. Allen was zukommen zu lassen, das geht gar nicht. Als Spender muss man sich also entscheiden, wem man was gibt. Gar nicht so einfach, findet mein Kollege Jörg Brunsmann in seinem Kommentar:

Kommentar: Wo spenden Sie denn bitte?

WDR 4 Zur Sache 26.11.2021 01:57 Min. Verfügbar bis 26.11.2022 WDR 4 Von Jörg Brunsmann


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Um ehrlich zu sein: Manchmal nervt es mich ganz schön, dieses Buhlen um Spenden. Es ist verrückt, aber selbst hier habe ich mir mittlerweile viel Misstrauen und so etwas wie eine Abwehrhaltung angewöhnt. Wenn da jemand bei uns vor der Haustür steht und um Spenden für die Tiere vom "Familienzirkus Kunterbunt" bittet, dann kann ich das gar nicht mehr so wirklich glauben. Den letzten Spendensammler habe ich gefragt, warum er denn ohne eins von den bedürftigen Tieren durch die Gegend zieht. Früher hätten ja alle immerhin das berühmt-berüchtigte Lama im Schlepptau gehabt. Ja, ich weiß, war nicht ganz die feine Art, aber wie gesagt: Mein Misstrauen ist inzwischen ziemlich groß. Genauso, wenn ich in der Fußgängerzone jemanden betteln sehe. Wo kommen die 2 Euro an, die ich in den Pappbecher werfe? Bei der Spendenmafia?

Und die ganzen großen Spendensammler? Wieviel von meinem Geld geht da in die Verwaltung? Klar, kann man alles nachprüfen und bestimmt auch im Internet nachlesen – aber will ich das? Eigentlich will doch nur anderen Menschen etwas Gutes tun. Menschen, von denen ich weiß, dass sie meine Hilfe wirklich brauchen und bei denen es auch ankommt.

Ich glaube, dass geht viel besser, wenn wir mit offenen Augen durch die Welt gehen und direkt in unserer Nähe schauen. Die Hochwasserkatastrophe im Juli hat sich direkt vor unseren Augen abgespielt – und dass die Menschen dort noch immer jede Menge Hilfe brauchen, daran gibt es keinen Zweifel. Wobei es gar nicht immer nur darum geht, Geld zu spenden. Auch in den Flutgebieten haben viele Menschen ja zum Beispiel mit Schaufel und Schubkarre tatkräftig geholfen. Auch wenn jetzt eher Geldspenden angesagt sind, weil zum Beispiel Heizungen oder Baumaterialien fehlt.

Aber schauen wir uns doch einfach mal öfter vor unserer Haustür um. Und helfen zum Beispiel der älteren Frau von nebenan, der wir die Einkäufe in den dritten Stock tragen. Oder der Flüchtlingsfamilie, der wir die für sie unverständliche Behördenpost übersetzen. Was ich sagen will: Gutes tun ist nicht immer eine Frage des dicken Geldbeutels. Manchmal braucht es Geld, aber manchmal reicht sogar ein Gespräch oder ein Lächeln. So bescheren wir anderen einen guten Start in den Tag und helfen ihnen damit.

Stand: 26.11.2021, 13:15