Friedensbotschaft auf gesperrter Autobahnbrücke A45 bei Lüdenscheid

Kommentar: Wo bleibt die Nachhaltigkeit?

Stand: 22.03.2022, 13:10 Uhr

Was für ein Ärger mit den Brücken bei uns im Land. Die A1 und die Leverkusener Brücke kennen Sie; da dürfen seit Jahren nur noch Autos mit Tempo 60 drüber. Und noch heftiger ist es auf der A45 bei Lüdenscheid. Die Brücke dort ist komplett gesperrt. Die Wirtschaft in der Region wird das rund 1,8 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren kosten, hat eine Untersuchung jetzt ergeben. Wie konnte es soweit kommen, dass wir uns so in die Sackgasse manövriert haben? Fragt sich Jörg Brunsmann – und kommt zu der Erkenntnis, wir müssen einsehen: Die Zeiten haben sich geändert.

Von Jörg Brunsmann

Kommentar: Wo bleibt die Nachhaltigkeit?

WDR 4 Zur Sache 22.03.2022 02:00 Min. Verfügbar bis 22.03.2023 WDR 4 Von Jörg Brunsmann


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Geht Ihnen das auch so? Lange Zeit – so bis vor fünf, sechs Jahren – habe ich gedacht: "Läuft doch super bei uns im Land; wir machen alles richtig." Nur um jetzt festzustellen: Nein, gerade damals wurde einiges an Fehlentscheidungen getroffen, was uns jetzt auf die Füße fällt.

Das mit den Brücken und den Autobahnen ist so eine Sache. Wie kann es sein, dass das keiner sehen wollte? Immer mehr Verkehr auf unseren Straßen, immer mehr LKWs – und in die Straßen und Brücken, die ja oft schon 40, 50 Jahre alt sind, wird kaum investiert. Das konnte nicht gut gehen.

Entweder man hätte konsequent auf Bahn und Co. setzen müssen, die Zahl der LKWs reduzieren, oder eben mehr in die Straßen investieren. Nichts von beidem ist passiert. Wahrscheinlich haben wir uns einfach zu sicher gefühlt. Nach dem Motto: Läuft doch.

Oder unsere Energieversorgung. Seit mehr als 30 Jahren hängen wir am russischen Öl und Gas. Ja, am Anfang war das toll – die stinkende Ölheizung war weg, ein Kellerraum – da wo vorher der Öltank stand – konnte zum Hobbyraum oder zur Haifischbar umgebaut werden. Woher unser Gas kommt und was Russland mit dem Geld macht, das wir dafür bezahlen – darüber haben sich wohl die wenigsten Gedanken gemacht.

Wenn die Jugend heute nach Nachhaltigkeit verlangt und möchte, dass alles anders besser wird, dann kann unsere Generation nur sagen: Das wollten wir auch.

Nur dass wir manche Dinge, die heute wichtig sind, gar nicht im Kopf hatten. Vor 30 Jahren zum Beispiel wussten nur die wenigsten, was Klimaschutz sein soll und warum das wichtig werden könnte.

Ich glaube, auch deshalb fällt es vielen aus meiner Generation so schwer, Greta Thunberg oder die "Fridays for future" wirklich Ernst zu nehmen.

Dabei wollen wir doch eigentlich alle das gleiche: Gut und nachhaltig leben. Jetzt ist es an uns Älteren einzugestehen: Die Zeiten haben sich geändert. Das merken wir nicht nur an der A45. Aber genau deshalb ist es jetzt auch an der Zeit, dass wir uns verändern.