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Kommentar: Endlich wieder Lehrer-Floskeln

Unterricht an einer Grundschule

Kommentar: Endlich wieder Lehrer-Floskeln

Von Jörg Brunsmann

Ob das gut geht? Nach den Sommerferien sollen die Schulen fast normal wieder öffnen können. "Wenn das Infektionsgeschehen es zulässt" – wie es immer von den Politikern heißt. Aber wenn Corona so weit abgeklungen ist, dann will man auch wieder auf Mindestabstände verzichten und es soll wieder ziemlich normaler Unterricht gemacht werden. Inklusive aller Gewohnheiten, die zum Schulalltag einfach dazugehören – und die jetzt beim "Home-Schooling" zu kurz kommen. So wie die ganzen Lehrer-Floskeln – wie WDR 4-Autor Jörg Brunsmann festgestellt hat:

Kommentar: Endlich wieder Lehrer-Floskeln

WDR 4 Zur Sache 19.06.2020 01:59 Min. Verfügbar bis 19.06.2021 WDR 4 Von Jörg Brunsmann

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"So! Hefte raus – Klassenarbeit! Und ich sags nur einmal: Nicht mit dem Nachbarn quatschen oder abschreiben, sonst sammel ich direkt ein." Wieviele Lehrerinnen und Lehrer gibt es wohl, die sich freuen, solche Sätze nach den Sommerferien endlich wieder sagen zu können? Viele von diesen Floskeln funktionieren ja nur beim analogen Unterricht. Was will man denn machen, wenn die Kinder in der digitalen Klassenarbeit zwischendurch die Lösungen googlen oder sich per WhatsApp Hilfe von den großen Geschwistern holen?

Überhaupt, diese ganzen eingespielten Unterrichts-Rituale. Sowas wie: "Denkt dran – ihr lernt nicht für mich, sondern für das Leben." Zieht in Corona-Zeiten auch nicht mehr so richtig, denn das Leben der meisten Schülerinnen und Schüler wird sich in den nächsten Monaten vor allem zuhause und im Digitalen abspielen. Und da sind die "lieben Kleinen" ja meist schon weiter als ihre Lehrerinnen und Lehrer. Oder kann man da noch was fürs Home-Schooling retten?

Immerhin ein paar Dinge bleiben ja, wie sie immer waren. "Auch für mich ist es die achte Stunde" – beziehungsweise Videokonferenz! "Und wenn ihr gut mitmacht, würde ich auch fünf Minuten früher Schluss machen. Und ihr wisst ja: Wann Schluss ist, bestimmt nicht die Glocke, das entscheide immer noch ich!"

Wobei – da fällt mir auf: Diese letzten Sätze, die funktionieren beim digitalen Unterricht nicht mehr so richtig. Wenn Schüler so tun, als wäre ihr Internet ausgefallen, wer will denn im Internet-Entwicklungsland Deutschland das Gegenteil beweisen? Vielleicht sind es aber tatsächlich nicht nur die Lehrerinnen und Lehrer, die sich freuen, wenn nach den Ferien alles wieder halbwegs seinen gewohnten, analogen Gang gehen kann. Ich kann mir schon vorstellen, dass der ein oder andere Schüler da auch was vermisst. "Wenn ich noch ein Wort aus der Ecke höre, setze ich euch auseinander" – das geht eben auch nur, wenn man überhaupt zusammensitzen kann. Also hoffen wir, dass die Politiker mit ihren Plänen nicht daneben liegen und die Rückkehr zum Gewohnten eben nicht zu früh kommt. Und dass wir nach den Sommerferien dann tatsächlich ein Comeback der guten alten Schul-Floskeln erleben dürfen.

Ach ja, und bevor jetzt alle in die Pause abhauen: "Wer hat eigentlich Tafel-Putzdienst?"

Stand: 19.06.2020, 13:10