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Kommentar: Die Werteunion – Das trojanische Pferd der AfD

Ein Plakat der Werteunion

Kommentar: Die Werteunion – Das trojanische Pferd der AfD

Von Stephan Karkowsky

In letzter Zeit wird viel über die sogenannte "Werteunion" geredet: Ein privater Verein für die Stärkung konservativer Werte in der CDU. 4000 Mitglieder, 80 Prozent davon sind in der CDU. Kritiker sprechen vom rechten Rand der Union. Der Vorsitzende gibt sogar Parteispenden an die AfD zu. Stephan Karkowsky hält den Verein deshalb auch für das trojanische Pferd der AfD.

Kommentar: Die Werteunion – Das trojanische Pferd der AfD

WDR 4 Zur Sache 13.02.2020 01:58 Min. Verfügbar bis 12.02.2021 WDR 4

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Der Legende nach war die Stadt Troja uneinnehmbar. Also bauten die Griechen ein Hölzernes Pferd. Die Trojaner zogen es in ihre Stadt. Im Inneren aber hatten sich griechische Soldaten versteckt. Die krochen im Schutze der Nacht heraus und zerstörten Troja mit ihrer Armee.

Die Werteunion versucht etwas Ähnliches. Sie will die CDU verführen mit der Legende von Werten, die der Union unter Merkel angeblich verlorengingen. In Wirklichkeit aber will sie die Partei spalten und damit zerstören. Denn die Politik der CDU wird selbstverständlich nicht von ihren Vorsitzenden diktiert, oder gar von der Kanzlerin. Sie wird in langen demokratischen Abstimmungsprozessen von der Mehrheit der Mitglieder bestimmt.

In der sogenannten Werteunion sind nun jene organisiert, die sich dabei nicht durchsetzen konnten und deshalb frustriert sind. Zumeist einfache Mitglieder ohne Mandate. Darunter 20 Prozent, die nicht mal in der CDU sind – ihr aber offensichtlich schaden wollen. Die Union kann diesen Verein nicht verbieten, weil er kein offizieller Teil der Partei ist.

Alle künftigen Kanzlerkandidaten, mögen sie Merz heißen, Spahn oder Laschet, sollten deshalb eines klar stellen: Auch innerhalb der CDU sind alle Meinungen erlaubt. Sie dürfen für oder gegen die Homo-Ehe sein, für oder gegen Abtreibung, Flüchtlinge, Windräder oder Atomstrom. Ob Ihre politische Haltung aber offizielle Parteilinie wird, darüber wird auf Parteitagen demokratisch abgestimmt. Ihre Stimme zählt dabei genau so viel, wie die jedes anderen Mitglieds.

Sind Ihre Ansichten in der Union auf Dauer nicht mehrheitsfähig, dann ist das kein Zeichen von Unterdrückung unerwünschter Positionen. Sondern ein ganz normaler demokratischer Prozess. Gute Demokraten akzeptieren das und suchen sich neue Argumente - oder eine neue Partei. Wer aber die eigene Partei wie in Troja permanent vermeintlich von innen angreift, öffnet damit nur die Tore nach Rechtsaußen.

Stand: 13.02.2020, 13:10