Kommentar: Der Wert der Handschrift

Ein Mädchen schreibt das Wort "Schule" in ein Heft

Kommentar: Der Wert der Handschrift

Von Katja Schwiglewski

Immer weniger Schüler können flüssig und gut leserlich mit der Hand schreiben. Das berichten Lehrer, die der Verband Bildung und Erziehung für eine bundesweite Studie befragt hat. Bundesbildungsministerin Karliczek und die Kultusminister der Länder sind deshalb dafür, die Schreibfertigkeiten in der Schule stärker zu fördern. Mit der Hand zu schreiben ist und bleibt eine wichtige Kultur – und Arbeitstechnik, sagt die Ministerin.

Kommentar: Der Wert der Handschrift

WDR 4 Zur Sache 10.04.2019 02:04 Min. WDR 4

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Es fällt schwer, bei diesem Thema nicht romantisch zu werden, nach dem Motto "Früher war alles besser". Schnell landet man bei allzu einfachen Erklärungen.

Schuld am verhängnisvollen Untergang der Handschrift sind natürlich diese bösen Smartphones und Tablets, auf denen nur noch getippt und gewischt wird. Ich finde dieses Schwarz-Weiß-Denken nicht hilfreich. Die Zeit der kratzenden Gänsekiele ist vorbei. Technische Revolutionen zu verdammen, bringt nichts. Auch gegen den Buchdruck wurde einst gewettert. Eine Reportage aus einem kleinen Ort in der Schweiz hat mich kürzlich nachdenklich gemacht. Da bekommen alle Kinder schon bei ihrer Einschulung ein IPad geschenkt, das sie durch ihre gesamte Schullaufbahn begleitet und im Unterricht intensiv genutzt wird. Ich hatte nicht den Eindruck, dass diese Schüler bildungsmäßig hinterherhinken, ganz im Gegenteil.

Trotzdem bin ich ein überzeugter Verfechter der Handschrift - so wie ich es auch für wichtig und selbstverständlich halte, dass Kinder Schwimmen, Radfahren, Klettern, Kochen, Backen und Basteln lernen. Es ist wichtig, sich mit digitalen Medien auszukennen, alles andere wäre weltfremd. Aber die analogen, haptischen, praktischen Erfahrungen sind elementare Bausteine in unserem Leben.

Der Mensch ist Körper und Geist. Verstehen funktioniert nur durch möglichst komplexe Verknüpfungen beider Bereiche. Schreibe ich etwas mit der Hand auf, bleibt es mir besser im Gedächtnis. Bin ich in der Lage, Buchstaben geschmeidig zu verbinden, werde ich auch flüssiger lesen und Zusammenhänge schneller begreifen können. Außerdem mache ich mich nicht so abhängig von den mobilen Endgeräten. Die können ja bekanntlich auch schon mal schlapp machen.

Glücklich, wer dann einen leserlichen Einkaufszettel in der Tasche oder den handschriftlichen Geburtstagsgruß per Post losgeschickt hat. Mit der Hand zu schreiben ist auch ein Baustein zur allgemeinen Lebenstüchtigkeit. Und die sollten wir unseren Kindern auf jeden Fall vermitteln.

Stand: 10.04.2019, 13:10