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Kommentar: Durch weniger Krankenhäuser bessere Versorgung?

Flur eines Krankenhauses, am Ende des Ganges Krankenhaus-Personal

Kommentar: Durch weniger Krankenhäuser bessere Versorgung?

Von Stephan Karkowsky

Mehr als jedes zweite Krankenhaus in Deutschland sollte nach Ansicht von Fachleuten geschlossen werden, damit die Versorgung der Patienten verbessert werden kann. Von den derzeit knapp 1400 Krankenhäusern sollten deutlich weniger als 600 größere und bessere Kliniken übrig bleiben, heißt es in einer Studie der Bertelsmann-Stiftung. Diese könnten dann mehr Personal und eine bessere Ausstattung erhalten.

Kommentar: Durch weniger Krankenhäuser bessere Versorgung?

WDR 4 Zur Sache 15.07.2019 02:06 Min. Verfügbar bis 14.07.2020 WDR 4

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Wie heißt es so schön: Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann … Dass weniger Krankenhäuser eine bessere Versorgung bedeuten könnten – wer hätte das gedacht? Bislang hielt ich Krankenhäuser für sowas wie die Tante-Emma-Läden der Gesundheitsversorgung: Alle müssen alles können und je mehr es davon gibt, umso besser.

Ist doch klar: Wer auf dem Land wohnt, muss im Notfall schnell in die nächste Klinik. Herzinfarkt, Schlaganfall, Hirnblutung – da zählt jede Minute. Sagt meine Nichte, die ist Krankenschwester. Und strikt gegen die Schließung weiterer Kliniken. Doch die Studie kontert: Ein Krankenhaus in der Nähe heißt nicht, dass dort zufällig auch der richtige Facharzt Dienst hat und die Notfallversorgung gesichert ist. Nur weniger und größere Krankenhäuser könnten das rund um die Uhr garantieren.

Meine Nichte sagt: Würde mehr als jedes zweite Krankenhaus schließen, gäbe es nicht automatisch mehr und bessere Ärzte, modernere Geräte oder mehr Behandlungsräume in den verbleibenden Kliniken. Da ist schon jetzt kein Platz mehr, in den Innenstädten meist keine Anbaumöglichkeit und Personal sowieso nicht zu kriegen. Nicht umsonst wirbt Bundesgesundheitsminister Spahn bereits im Kosovo und in Albanien neue Pflegekräfte an.

Aber auch hier hat die Studie Antworten: Noch immer kämen in Deutschland viel zu viele Menschen ins Krankenhaus – 70 Prozent mehr als in anderen EU-Ländern. Millionen Patienten könnten genauso gut ambulant behandelt oder operiert werden. Die Platzfrage wäre damit zweitrangig und auch die Personalnot in den Kliniken bekäme man so in den Griff. Aus Sicht der Fachleute spricht also alles dafür, künftig die Ausstattung und nicht die Zahl der Kliniken zu fördern.

Jetzt kommt es auf die Umsetzung an. Gelingt es, die Qualität der großen Kliniken zu steigern und das Netz der Rettungsdienste auszubauen, könnte ein Abbau weiterer Kliniken wirklich helfen. Aber vollends überzeugt bin ich noch nicht. Je älter ich werde, desto eckiger wird offenbar mein Kopf und Richtungswechsel beim Denken immer schwerer.

Stand: 15.07.2019, 11:38