Live hören
Jetzt läuft: Moonlight Cocktail von Mel Tormé

Kommentar: Die Weltverschwörung gibt es nicht

Weltverschwörung

Kommentar: Die Weltverschwörung gibt es nicht

Von Ferdinand Quante

Die Ruhe ist dahin. Nach Wochen der Disziplin regt sich nun Widerstand gegen die staatlich verhängten Corona-Maßnahmen. Nicht alle Bürger sind länger bereit, die Anweisungen der Regierung zu befolgen. So haben mehrere tausend Demonstranten am Wochenende ihren Unmut lautstark geäußert, wobei dieser Unmut viele unterschiedliche Motive zeigte. Manche waren eher harmlos, andere direkt gefährlich.

Kommentar: Die Weltverschwörung gibt es nicht

WDR 4 Zur Sache 11.05.2020 02:24 Min. Verfügbar bis 11.05.2021 WDR 4

Download

Das Abstandhalten und überhaupt alle Corona-Vorschriften, sie sind richtig ermüdend. Es reicht, meldet der Bauch. Der Kopf sagt, es ist schon vernünftig, die Regeln zu befolgen. Dass nicht alle im Lande vernünftig sind, war vor der Pandemie schon klar. Ein bisschen habe ich mich dann auch gewundert, dass die große Mehrheit so lange so folgsam war. Jetzt ist Schluss damit. Ausgerechnet jetzt, wo die Lockerungen kommen. Und das wundert mich nun sehr.

Demos in Stuttgart, München, Berlin, in Dortmund und Bautzen. Auf den Straßen tummelten sich die unterschiedlichsten Leute. Da waren viele, die einfach nur ihr altes Leben sofort zurückhaben wollen. Harmlose Leute im Vergleich zu den fundamentalistischen Hetzern, die da von diktatorischer Freiheitsberaubung faselten, von einer weltweiten Verschwörung mit dem Ziel, die Menschen auf Dauer in Ketten zu legen.

Das Corona-Virus ist unsichtbar. Fantasievolle Gemüter kommen da von "nicht sichtbar" schnell zu "nicht existent", und schon schießen die Verschwörungstheorien ins Kraut. Corona, heißt es dann, wäre bloß der Vorwand, um eine finstere Weltregierung zu erschaffen. Soso, die USA, Russland und China sind also plötzlich ein Herz und eine Seele und arbeiten Hand in Hand. Eine knuffige Idee.

Durch Corona, so heißt es auch, werden wir alle auf Dauer entmündigt: Merkel befiehlt, Widerspruch verboten. Tatsächlich aber sind im Bundestag die Corona-Debatten gerade voll im Gange. Und in den privaten Wohnstuben ja auch.

Was wirklich bemerkenswert ist: Einige Demonstranten protestierten gegen den Verlust einer Freiheit, die sie im Moment ihrer Demonstration fröhlich nutzten. Noch dümmer geht’s nicht.

Verstehen Sie mich nicht falsch – Demonstrationen sind ein Freiheitsrecht. Aber vielleicht sollte man sich genau überlegen, wofür oder wogegen man demonstriert. Wenn’s die Pandemie betrifft, dann, so meine ich, sollte es um andere, um bessere Maßnahmen zu ihrer Eindämmung gehen. Das, und nur das, hätte Sinn und Verstand.

In diesen Zeiten ist nun mal nur die Vernunft hilfreich, und nicht, was der Bauch uns meldet.

Stand: 11.05.2020, 13:10