Live hören
Jetzt läuft: Bad moon rising von Creedence Clearwater Revival

Kommentar: Weltfrieden – Utopie als Ansporn

Symbolbild für Weltfrieden und Globalisierung

Kommentar: Weltfrieden – Utopie als Ansporn

Von Katja Schwiglewski

Seit 1901 gilt der Friedensnobelpreis als höchste politische Auszeichnung weltweit. Der Stifter Alfred Nobel wollte damit Personen oder Gruppen ehren, die "im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht" haben. Nobel hatte damals vor allem an Verdienste im Bereich Völkerverständigung und Abrüstung gedacht. Bis heute bleibt Weltfrieden eine Utopie, die man nicht aufgegeben darf, meint WDR 4-Autorin Katja Schwiglewski in ihrem Kommentar.

Weltfrieden - Utopie als Ansporn

WDR 4 Zur Sache 09.10.2020 02:02 Min. Verfügbar bis 09.10.2021 WDR 4 Von Katja Schwiglewski


Download

Wer auf die Frage, was ist dein sehnlichster Wunsch, "Weltfrieden" antwortet, läuft Gefahr, sich lächerlich zu machen. Was für eine naive Vorstellung! In der Familie, der Nachbarschaft, dem Verein oder in der Schule friedlich zu bleiben, mag ja noch angehen – auch wenn selbst das oft genug nicht klappt. Aber da haben wir die Sache wenigstens noch in der Hand. Doch global betrachtet? Wie bitteschön soll jemals Weltfrieden einkehren angesichts dieser ganzen erbitterten Konflikte und Kriege von Syrien bis Bergkarabach?

In den Schaltzentralen der Macht sitzen viel zu viele Politiker, denen ich zutraue, dass sie ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen gehen. Fast täglich sehen und hören wir, dass Menschen in diktatorischen Regimen auf die Straße gehen und Gewalt erfahren, denken Sie an Hongkong oder Belarus. In anderen Teilen der Welt leiden Menschen unter Hunger und Wassermangel, auch deshalb werden Kriege geführt.

Ist der Wunsch nach Frieden und Gerechtigkeit damit absurd? Hoffentlich nicht! In Frieden und Gerechtigkeit zu leben, verspricht die Chance auf ein gutes Leben. Nur so ist Entwicklung möglich. In Deutschland haben wir seit 75 Jahren keinen Krieg erlebt. Was für ein Glück! Deshalb sollte es uns nicht egal sein, was anderswo auf der Welt passiert. Wer sich in schwierigen politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen für Frieden stark macht, verdient Respekt. Und ohne Träumer, die nicht an der Idee des Weltfriedens verzweifeln, sondern an das Gute glauben, wäre die Menschheit ein trostloser Haufen.

Mag sein, dass sich schon die Steinzeitmenschen die Köpfe eingeschlagen haben und das kriegerische und egoistische Potential in der menschlichen Natur liegt. Aber als vernunftbegabte und gemeinschaftsorientierte Wesen sind uns andere Formen der Krisen- und Konfliktbewältigung gegeben. Auch wenn es manchmal schwer fällt, ohne Zynismus auf den Zustand der Welt zu gucken: Das Ringen um Frieden ist und bleibt die einzig mögliche Richtschnur des Handelns.

Stand: 09.10.2020, 11:57