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Kommentar: Zum Weltfahrradtag

Frau auf einem Fahrrad im Park

Kommentar: Zum Weltfahrradtag

Von Katja Schwiglewski

Fahrradläden und Fahrradwerkstätten haben Hochkonjunktur in Corona-Zeiten. Viele Menschen entdecken das Radfahren für sich neu. Einige Städte haben sogar schnell und unbürokratisch mehr Platz für Radfahrer geschaffen, mit so genannten Pop-up-Radwegen. Der fahrradfreundliche Trend darf die Pandemie gerne überdauern – am besten im Einklang mit Autofahrern und Fußgängern.

Kommentar: Zum Weltfahrradtag

WDR 4 Zur Sache 03.06.2020 02:00 Min. Verfügbar bis 03.06.2021 WDR 4 Von Katja Schwiglewski

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Ignorieren wir am Weltfahrradtag die Autofahrer, die dreist auf Radwegen parken. Vergessen wir die motorisierten Mitbürger, die ohne zu gucken abbiegen und ihre Autotür öffnen. Geschenkt, dass es auf der anderen Seite Radfahrer gibt, die jede rote Ampel missachten und auf Tuchfühlung an Fußgängern vorbeiheizen. Rücksichtslosigkeit hängt nicht vom Verkehrsmittel ab. Die gibt es auf allen Seiten. Genau wie Denunziantentum.

Ich finde die ideologischen Grabenkämpfe zwischen Autofahrern und Radfahrern höchst überflüssig und anstrengend, das bringt doch nichts. Was wir brauchen, sind Umsicht und Toleranz. Denn auf absehbare Zeit werden sowohl Autos als auch Fahrräder auf unseren Straßen unterwegs sein. Darauf sollten wir uns einstellen und das Beste daraus machen. Wer weite Strecken zur Arbeit pendelt oder körperlich eingeschränkt ist, kann nicht aufs Rad umsteigen – und die Bahn ist leider nicht immer eine praktikable Alternative, aber das ist ein anderes Thema. Bei aller Sympathie für die abgasfreie und gesundheitlich vorteilhafte Fortbewegung mit dem Fahrrad: Radfahrer sind keine besseren Menschen.

Für alle, die fit sind, ist zu Fuß gehen in der Stadt übrigens auch eine Überlegung wert. Das kurbelt den Kreislauf auch an und ist ein schönes Training, nebenbei sieht man noch eine Menge. Trotzdem bin ich auf jeden Fall dafür, das Radfahren in unseren Städten sicherer zu machen und verkehrspolitisch zu fördern, z.B. mit breiten Radspuren und Radwegen, wo immer es geht, am besten deutlich getrennt vom Autoverkehr.

Unterm Strich könnte die Corona bedingte Renaissance des Rads ein kleines dauerhaftes Plus für diese Form der Mobilität bringen, und das würde mich freuen. Am meisten aber freut mich, dass viele Menschen in den letzten Wochen offenbar ihre alten Schätzchen aus dem Keller geholt haben, um nach längerer Zeit mal wieder locker-flockig an der frischen Luft durch die Gegend zu radeln. Manch einer hat sein Rad ordentlich aufpoliert dafür. Wenn also der Spaß bei der ganzen Sache nicht zu kurz kommt, umso besser!

Stand: 03.06.2020, 13:10