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Kommentar: Der Wald und die Windkraft

Windrad bei Welshofen, 2019

Kommentar: Der Wald und die Windkraft

Von Ferdinand Quante

Keine große Neuigkeit: Der Wald ist krank. Wie krank er ist, belegt jetzt eine Zahl: 14,5 Millionen Kubikmeter Holz stehen sterbend, wenn nicht schon tot in den nordrhein-westfälischen Wäldern. Vor allem die Fichte hat es erwischt, von der Hitze im Sommer ausgedörrt und zudem von Borkenkäfern befallen. Kann man nichts machen? Vielleicht doch. Wenn wir es wollen.

Kommentar: Der Wald und die Windkraft

WDR 4 Zur Sache 25.11.2019 01:57 Min. Verfügbar bis 24.11.2020 WDR 4

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Ach ja, der Wald! Noch so ein todkranker Patient. Im Moment liegt er in einem der hinteren Zimmer unserer weltweiten Intensivstation. Die plastikverseuchten Meere und die abtauenden Polkappen sind derzeit ganz vorne.

Wenn ich über die Autobahn fahre, vorbei an Nadelwäldern mit großen kahlen Stellen, nun ja, ich kann nicht behaupten, panische Angst zu haben, wie Greta Thunberg das von uns verlangt. "Ich will, dass ihr in Panik geratet", hat sie gesagt, Panik wegen der heraufziehenden Klimakatastrophe. Die hatten wir vielleicht einmal, ansatzweise, jedenfalls was den Wald angeht. 1983 gehörte "Waldsterben" zu den Wörtern des Jahres.

Damals zogen Naturschützer hinaus in die kranken Forste und demonstrierten lautstark vor laufenden Kameras für die Rettung des deutschen Waldes. Heute heißt es "Och, guck mal, die braunen Fichten da sehen aber auch irgendwie krank aus", heftigere Reaktionen hab ich zumindest in letzter Zeit nicht erlebt.

Ich weiß auch gar nicht, ob Panik angesichts sterbender Wälder hilfreich wäre. Kühle Vernunft wäre vermutlich besser, und die sagt mir, dass es Quatsch ist, erst in neunzehn Jahren das letzte Kohlekraftwerk abzuschalten. Kohlekraft bedeutet massenhaft CO2, bedeutet Erderwärmung, bedeutet beste Bedingungen für Borkenkäfer, bedeutet Waldsterben, denn es sind ja nicht nur Fichten, die kaputtgehen.

Und wenn ich dann gleichzeitig von Bürgerprotesten gegen Windkrafträder lese, die so massiv sind, dass kaum noch neue Anlagen entstehen können, frag ich mich, was wir eigentlich wollen. Unverspargelte Landschaften oder eine heiße Welt? Wollen wir die Energiewende oder eine immer größer werdende Intensivstation?

Schön wär’s, wenn nur Wasser, Luft und Bäume dort liegen müssten, aber wenn’s dumm läuft, liegen wir am Ende selber dort.

Klingt superdramatisch. Ist es auch.

Stand: 25.11.2019, 13:10