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Das Volk gegen VW

Ispušne cijevi jednog automobila, a u pozadini zgrada Volkswagen-a

Das Volk gegen VW

Von Irene Geuer

Heute (30.9.2019) Gerichtspremiere in Braunschweig. Fast 470.000 Autokunden Klage eingereicht gegen Volkswagen. Und sie werden erstmals vertreten durch die Verbraucherzentrale. Es geht um Schadenersatz für manipulierte Diesel. Und dafür ist im vergangenen November die Musterfeststellungsklage gesetzlich eingeführt worden. Das heißt, es kann jetzt einmal für alle geklärt werden, ob Chancen auf Schadenersatz bestehen. Nicht jeder muss es selbst tun. Das ist gut so, und doch ist es nur ein Anfang.

Das Volk gegen VW

WDR 4 Zur Sache 30.09.2019 02:02 Min. Verfügbar bis 29.09.2020 WDR 4

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Ich bin gespannt auf das, was da in Braunschweig passieren wird. So viele waren total wütend, als vor vier Jahren herauskam, dass die Abgaswerte bei VW manipuliert waren. Da kauft man sich ein schönes Auto. Das ist ja so, wir geben viel Geld aus, wir freuen uns auf den neuen Wagen, der wird rumgezeigt im Bekanntenkreis, so eine Investition tätigen wir schließlich nicht alle Nase lang. Und dann kommt raus, der Neue ist eine Dreckschleuder. Das war eine Hammer-Nachricht – weltweit, denn auch Jim und John in den USA oder Kanada hatten sich einen VW mit manipuliertem Abgas gekauft. Und dort ist der Konzern auch ordentlich bestraft worden. Entschädigungen wurden gezahlt, ein Umweltfond angelegt und, und, und. Nur in Deutschland meinte der Konzern, doch nichts Falsches getan zu haben und erklärte sich gerade mal bereit, da was nachzubessern.

Aber das wollen nun fast 470.000 Menschen nicht auf sich sitzen lassen, auch wenn es strafrechtliche Ermittlungen und Urteile gegen Konzernmanager gibt. Es kommt eben nicht nur darauf an, dass ein Konzern eine Geldbuße zahlen muss, auch wenn sie im Millionenbereich liegt. Da hat kein VW-Betrogener was von. Viele hatten richtig Malesche mit ihrem neuen Auto. Die Unsicherheit, was ist jetzt, darf ich das Auto noch fahren? Gibt es Wertverlust? Dann der ganze Telefonat- Email- und Papierkrieg mit dem Autohändler. Monatelanges Hin und Her.

Konzerne sollen merken, sie haben es mit Menschen zu tun. Das Wirtschaftsleben ist kein Pokerspiel, bei dem man sich halt mal verzocken kann. Auch hier in Deutschland gibt es Geschädigte. Und für die stellt der Bundesverband der Verbraucherzentralen schon mal stellvertretend fest, wie die Chancen auf Schadenersatz stehen. Das muss nicht jeder einzelne machen. Und das ist gut so, aber eben nur ein Anfang. Denn bei dieser Musterfeststellungsklage müssen wir uns in Geduld üben. Heute werden erst mal Verfahrensdinge, also Organisatorisches geklärt, denn für alle Beteiligten ist der Prozess Neuland. Und dann wird die Verhandlung wahrscheinlich mehrere Jahre dauern. VW hat bereits angekündigt, bis vor den Bundesgerichtshof zu ziehen. Und das nur für eine Vorklärung. Richtige Sammelklagen, bei denen es tatsächlich um konkreten Schadenersatz geht, gibt es in Deutschland nicht. Das sollten wir ändern.

Stand: 30.09.2019, 13:10