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Kommentar: Vor Weihnachten bitte nicht weinen!

Vor Weihnachten bitte nicht weinen!

Kommentar: Vor Weihnachten bitte nicht weinen!

Von Irene Geuer

In genau einem Monat ist es soweit: Wir feiern… ja wie eigentlich: Weihnachten. Morgen werden die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin die Regeln vorgeben. Vieles ist schon durchgesickert. Ganz einfach wird es nicht. Aber auch nicht so, wie unser NRW-Ministerpräsident Armin Laschet gesagt hat: Das härteste Weihnachten der Nachkriegszeit. So nicht, sagt Irene Geuer in ihrem Kommentar.

Kommentar: Vor Weihnachten bitte nicht weinen!

WDR 4 Zur Sache 24.11.2020 01:53 Min. Verfügbar bis 24.11.2021 WDR 4


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Der Ministerpräsident hat schon eingesehen, dass er zu theatralisch gewesen ist: Härtestes Weihnachtsfest seit dem Krieg. Das stimmt ja auch nachweislich nicht. Da können wir in unsere eigene Geschichte gucken, wir können aber auch mal den Blick über die Weltkugel schweifen lassen, da finden wir viele, viele Orte, an denen Weihnachten tatsächlich zum Heulen ist.

Das, was wir haben, ist nicht einfach, weil anders als sonst. Aber es ist nicht schlimm. Die Regale in den Supermärkten sind brechend voll. Die Gänse, die St. Martin überlebt haben, sind jetzt ziemlich gut im Futter. Von allem ist reichlich da. Das Problem, das wir haben könnten, ist, dass nach Weihnachten die Hosenknöpfe abplatzen. Wir älteren haben noch gelernt, die wieder anzunähen, bei den jüngeren vermute ich, dass sie eine App im Smartphone dafür suchen.

Viele Kirchengemeinden haben bereits coronasichere Pläne aufgestellt. Heinsberg z.B.: Der evangelische Pfarrer hat das Sportstadion für den Gottesdienst am Heiligen Abend angemietet, mit überdachter Tribüne. Und tagsüber fährt er mit einem angemieteten Karnevalswagen und live gespielter Weihnachtsmusik durch die Straßen. Da kommt mit Sicherheit die Stimmung auf, die wir uns wünschen. Andere haben die Schlagzahl an Gottesdiensten erhöht, damit alle, die wollen, kommen können. Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Wir dürfen kreativ werden.

Und wir müssen uns nicht jeck machen lassen durch Zehn-Personen-Regeln, Kinder unter 14 ausgenommen. Obwohl: Eine Bekannte hat vier erwachsene Kinder, die kommen mit ihren Partnern und den Enkelkindern, von denen aber schon die meisten über 14 sind. Fast 20 Leute. Aber was spricht gegen Dauerfeiern im Schichtbetrieb? Ist eben mal einfach anders dieses Jahr. Solange es egal ist, aus wie vielen Haushalten der Kartoffelsalat mit den Würstchen kommt, ist alles gut.

Wir feiern ein Fest, für das eine hochschwangere Frau auf einem Esel geritten ist, ein Kind in einem zugigen Stall zur Welt gebracht hat, das dann auf kratzigem Stroh lag. Wer da noch jammert, hat den Sinn dieses Festes vielleicht nicht so richtig verstanden.

Stand: 24.11.2020, 13:10