Live hören
Jetzt läuft: These boots are made for walkin` von Nancy Sinatra

Kommentar: Corona – Auch Kriminelle haben‘s nicht leicht

Ein Einbrecher blickt an einem Haus durch eine eingeschlagene Fensterscheibe.

Kommentar: Corona – Auch Kriminelle haben‘s nicht leicht

Von Irene Geuer

Wir sind ja nicht bei allen Branchen wirklich traurig, wenn sie durch die Corona-Pandemie Umsatzeinbußen erleiden. Denken wir nur an die Einbrecherbranche. Deren Taten sind coronabedingt um fast ein Viertel zurückgegangen. Das ist gut, sagt Irene Geuer, aber – leider - nur ein kurzfristiges Phänomen.

Kommentar: Corona: Auch Kriminelle haben‘s nicht leicht

WDR 4 Zur Sache 10.07.2020 02:00 Min. Verfügbar bis 10.07.2021 WDR 4

Download

Ich hatte es mir vor Wochen schon ausgemalt. Ein Mann in Schwarz guckt mit seinem Brecheisen in der Hand durchs Balkonfenster und sieht Mama im Homeoffice und Papa mit den Kindern Erdkunde üben. Der Mann in Schwarz klettert zum nächsten Balkon und dort schaut er einer älteren Dame beim Yoga vor dem Fernseher zu. Alle sind zu Hause und der Schmuck, der im Kleiderschrank zwischen der Unterwäsche verstaut ist und das Geld in der Zuckerdose sind so gut bewacht wie nie zuvor.

Auch die Taschendiebe könnten ein Fall fürs Sozialamt werden. Wer lässt heute noch jemanden nah an sich ran. 1,50 Meter Abstand, da braucht man schon einen Teleskop-Arm um das Portemonnaie aus der Hosentasche zu angeln. Und überhaupt, da Shoppen derzeit nicht die Lieblingsbeschäftigung der großen Massen ist, gibt es auch kaum geeignete Opfer.

Wenn Kriminalität keine Gelegenheit bekommt, dann findet sie nicht statt. Könnte man meinen, wenn da nicht Einfallsreichtum und Kreativität in dieser Branche beheimatet wären. Einbrecher, Diebe oder Räuber brauchen normalerweise wenig davon, da wir so dumm sind und ja tatsächlich die Wertsachen ganz erwartbar in der Unterwäsche oder in der Zuckerdose verstecken. So machen das alle. Und normalerweise ist eine Wohnung für Einbrecher so praktisch wie ein Selbstbedienungsladen. Sie wissen, wo alles steht, greifen zu und zack sind sie wieder weg. Aber nun ist es komplizierter. Auch wenn der sogenannte Lockdown aufgehoben ist, arbeiten ja immer noch viele zu Hause. Und so haben die Kriminellen umgeschult. Vom Enkeltrick, zum Doktortrick. Nicht mehr die Oma um ihr Erspartes bringen, sondern falsche Coronateststäbchen verkaufen. Nicht mehr in die Wohnung einbrechen, sondern im Internet 9000 Euro Soforthilfe des Bundes illegal abkassieren.

Die Übeltäter haben die neuen Betätigungsfelder wirklich schnell gefunden. Chapeau. Ich glaube, nur wenige Branchen haben es in Coronazeiten geschafft, so rasch umzusatteln.
Manchmal frage ich mich, was wäre, wenn die krummen Typen ihr Können in den Dienst von legalen und guten Dingen stellten. Das wäre sicher ein Gewinn. Stattdessen schmort viel Kraft und Kreativität in unseren Knästen. Schade.

Stand: 10.07.2020, 13:10