Kommentar: Von Pubertät und Menopause

Ein Arzt hält eine Tafel mit der Aufschrift Wechseljahre im Arm

Kommentar: Von Pubertät und Menopause

Von Irene Geuer

WDR 4-Autorin Irene Geuer ist über eine Nachricht bei Twitter gestolpert, die hieß: "Ich lese immer wieder, dass Sie Probleme mit ihren Kindern in der Pubertät haben. Meine Tochter hat die Wechseljahre und ich sage ihnen, dagegen ist die Pubertät ein Spaß." Das hat eine Renate Bergmann geschrieben, die ist aber nicht Mutti mit Tochter in Menopause, dahinter steckt der Schriftsteller Torsten Rohde. Egal, sagt Irene Geuer, denn es stimmt: Über die 15-jährigen und ihre Pubertät reden alle, über die 50jährigen und ihre MP keiner. Das muss sich ändern.

Kommentar: Von Pubertät und Menopause

WDR 4 Zur Sache 09.07.2020 02:04 Min. Verfügbar bis 09.07.2021 WDR 4 Von Irene Geuer

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Immer, wenn es hormonell wird, kreuzen Probleme auf. Egal wie alt wir sind. Sobald da was ins Ungleichgewicht kommt, wird es komisch. Der Schriftsteller Jan Weiler hat deshalb wahrscheinlich schon ein Konto auf den Kaiman-Inseln eingerichtet. Die Bücher über seine pubertierenden Kinder – der absolute Renner. Warum: Weil diese Pubertät ja längst nicht nur nervt, sondern urkomische Dinge hervorbringt. Ok, ich kann verstehen, dass die Pubertierenden das selbst weniger lustig finden. Aber die in der Pubertät werden wenigstens wahrgenommen. Keine Kabarettveranstaltung, wo der Künstler nicht über die Pickelings spricht….

So. Und wer spricht über uns? Wer schaut auf unser erstes Mal. Ich erinnere mich noch. Ich saß im Auto und plötzlich sprangen mir wildkatzenartig Schweißperlen auf die Stirn, tropften in die Augen, sodass ich anhalten musste. Zuerst habe ich geglaubt, ich hätte eine seltene Tropenkrankheit, die gerade in Deutschland heimisch wird, so musste es sein, denn ich war nie in den Tropen. Die Anfälle kamen auch nachts, da springt man aus dem Bett, weil man glaubt, das Plumeau brennt.

Als die Diagnose "Wechseljahre" gestellt wurde, war das ein bisschen so, wie zehn Jahre zuvor beim Augenarzt, als ich schon mal dachte, ich sei vielleicht krank. Nein, sagte der Arzt damals, alles in Ordnung. Sie werden einfach nur alt. Seitdem suche ich ständig meine Lesebrille. Und seitdem ich in den Wechseljahren bin, suche ich ständig nach dem Grund, warum es dagegen so wenig gibt. Ich kann's Ihnen sagen: Wir Frauen heißen einfach nicht Corona.

Wäre das so, würde man wahrscheinlich auch für uns innerhalb von Monaten eine Armada von Medikamenten entwickeln. Aber Frauen sind kein guter Markt. Wir erdulden da einfach zu viel. Neulich las ich: Wenn sich Pubertät und Wechseljahre innerhalb der Familie träfen, dann würde Alkohol nicht helfen, man solle gegenseitiges Verständnis entwickeln. Ja, aber wie, wenn dieselbe Zeit beim Mann zweiter Frühling heißt, und es bei uns darum geht, den Herbst zu akzeptieren.

Deswegen plädiere ich dringend dafür, mehr Humor zu entwickeln, endlich mal auch für die Menopause. Wenn man nix zu lachen hat, ist Lachen die beste Medizin.

Stand: 09.07.2020, 13:10