Kommentar: Vom Helfen und Lachen

Armin Laschet

Kommentar: Vom Helfen und Lachen

Von Irene Geuer

In manchen Gebieten ist die Hochwasserlage noch angespannt. Andernorts gibt es bereits zaghafte Lichtblicke. Eine Straße, die freigeräumt ist, ein Schuttberg der wegtransportiert wurde, ein Anruf mit den Worten: Sucht nicht nach uns, wir sind in Sicherheit. Ganz viel passiert da gerade mit den Menschen, diese Katastrophe ist auch ein Wechselbad der Gefühle. Nur eins ist völlig fehl am Platz, sagt Irene Geuer in ihrem Kommentar.

Kommentar: Vom Helfen und Lachen

WDR 4 Zur Sache 19.07.2021 01:40 Min. Verfügbar bis 19.07.2022 WDR 4 Von Irene Geuer


Download

Wenn man als Politiker zwar körperlich in einem zerstörten Gebiet anwesend, aber im Kopf anscheinend nicht bei der Sache ist, dann verletzt das. Nicht nur die Opfer dieser Flutwelle, sondern auch die Einwohner dieses Landes. Ein Ministerpräsident, der nicht den Anstand hat, zu schweigen, während der Bundespräsident Betroffenheit und Trost ausspricht, das ist peinlich. "Lass uns nicht mehr drüber reden", sagte eine Freundin am Wochenende. Warum? Weil es ihr so unangenehm ist. Viele Menschen haben sich fremdgeschämt.

Andere Politiker haben mit einem Auftritt in einem Hochwassergebiet ihren späteren Wahlerfolg festgezurrt. Das ist bei Armin Laschet, was die Bundestagswahl im September angeht, gehörig schiefgegangen. Die herausgestreckte Zunge auf den Fotos ist nicht das, was sich für einen möglichen Bundeskanzler gehört. Dass ihm sein Lachen und Feixen im Nachhinein so richtig leid tut, kann ich verstehen. Aber jetzt von uns zu verlangen, dass wir ihn entschuldigen? Nein. Im Sinne der vielen Opfer ist das nicht möglich.

Und ich finde, sein Feixen in Katastrophenzeiten darf man nicht vergessen. Weil es stimmt, was ein Bundeskanzler Schmidt einst sagte: "In der Krise beweist sich der Charakter." Wenn Armin Laschet noch etwas reißen will, dann muss er sich jetzt beweisen. Er hat in seiner Ansprache an Nordrhein-Westfalen von schneller Hilfe, von Klimaschutz und Renaturierung gesprochen. Dann mal los, Herr Laschet. Vielleicht nimmt er sich ein Beispiel an den vielen, vielen Helfern in diesen Tagen. Die nicht nur in die Flutgebiete schauen, sondern mit Schaufeln, Schubkarren, Lebensmitteln und Kleidung anrücken und mit anpacken. Die trösten und da sind: Mit Körper, Herz und Verstand. Diese Menschen zeigen wahren Charakter. Danke.

Stand: 19.07.2021, 12:33