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Was der Verkehrsminister leider nicht plant

Andreas Scheuer (CSU), Bundesverkehrsminister

Was der Verkehrsminister leider nicht plant

Von Ferdinand Quante

Bundes-Verkehrsminister Andreas Scheuer hat große Pläne. Eine höhere Strafe fürs Autoparken in zweiter Reihe zum Beispiel, oder dass Carsharing-Fahrzeuge bevorzugt behandelt werden. Vieles ist gut, aber ein ganz wesentlicher Punkt fehlt in Scheuers Planspielen, und was er Radfahrern im Stadtverkehr geben will, ist leider ziemlich zweifelhaft – sagt Ferdinand Quante ...

Was der Verkehrsminister leider nicht plant

WDR 4 Zur Sache 16.08.2019 02:13 Min. Verfügbar bis 15.08.2020 WDR 4

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Vorab schon mal danke für den einen Meter fünfzig. Das ist ein richtig gutes Maß, Herr Verkehrsminister, da dürfte ich künftig ja viel sicherer durch die Stadt radeln, viel unbekümmerter auch, wenn die Autos links von mir mindestens anderthalb Meter Abstand halten müssen.

In der Praxis sähe das so aus, dass ich still dahingleite, während es neben mir ordentlich kracht, weil die zur Straßenmitte hin ausweichenden Autos in die entgegenkommenden Fahrzeuge zwangsläufig hineinrauschen. Nein, der Weg, den ich mehrmals die Woche nehme, ist einfach zu schmal, um viel Luft zwischen Autos und Fahrrädern zu lassen, und solche Wege gibt’s in unseren Städten leider massenhaft.

Das mit dem Abstand ist also nett gemeint, und wenn die PKW mich weiterhin fast rasieren, werde ich bestimmt oft an den Meter fünfzig denken. Weil er so dringend nötig ist.

Genau wie anderes, das der Verkehrsminister plant. Zwei- bis dreihundert Euro Strafe für alle Sturköpfe, die keine Rettungsgasse bilden, bzw. für alle Draufgänger, die, statt stehenzubleiben, frech durch eine Rettungsgasse brausen.

Auf einer Schweizer Autobahn bin ich mal rund 15 km/h zu schnell gefahren. Die 220 Euro, die das gekostet hat, hab ich bis heute nicht vergessen. Erzieherische Maßnahme, könnte man sagen. Und ehrlich, ich fände sie auch auf unseren Autobahnen gut, und obendrein sollte es dort endlich auch ein Tempolimit geben, zur Schonung von Klima und Menschenleben. Vor drei Jahren, so sagt die Statistik, war die Zahl der tödlichen Unfälle auf Autobahnabschnitten ohne Geschwindigkeitsbegrenzung um ein Viertel höher als auf Abschnitten mit.

Aber was sind schon ein paar Menschenleben, wenn ein Tempolimit die Geschäfte bremst. Audi, Mercedes, BMW und Co. wollen ihre schnellen Wagen schnell fahren lassen, das haben sie bislang noch jedem Verkehrsminister klargemacht. Am besten mit Verweis auf drohende Entlassungen in der Autoindustrie. Das wirkt immer. Als erzieherische Maßnahme, könnte man sagen.

Stand: 16.08.2019, 13:10