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Kommentar: 60 Jahre Verkehrshinweise – Ein Denkmal für den Stau

Das Bild zeigt Stau in der Stadt.

Kommentar: 60 Jahre Verkehrshinweise – Ein Denkmal für den Stau

Von Jörg Brunsmann

Vielleicht haben Sie es heute morgen schon bei uns gehört: Heute ist ein wahrhaft historischer Tag. Heute vor 60 Jahren – 1961 – gab es bei uns im WDR den ersten Verkehrshinweis im Radio. Das, was für viele Autofahrer heute zum Alltag dazugehört. Beim Frühstückskaffee mal eben aufs Radio achten – wieviel ist denn heute auf der A1, der A40 oder der A3 los? Auch wenn es für viele Menschen immer noch ärgerlich ist, Zeit im Stau zu verlieren – irgendwie haben wir uns auch dran gewöhnt. Findet WDR 4-Autor Jörg Brunsmann.

60 Jahre Verkehrshinweise: Ein Denkmal für den Stau

WDR 4 Zur Sache 23.04.2021 01:48 Min. Verfügbar bis 23.04.2022 WDR 4 Von Jörg Brunsmann


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Eine Geschichte rund um den Stau – ich wette, sowas haben Sie auch. Wie damals, mit den Eltern auf der Fahrt nach Italien und dann stundenlang vor dem Brenner. Oder mit dem ersten Auto und wenig Benzin und plötzlich war die A4 dicht und mit dem letzten Tropfen gings dann doch irgendwie.

Eigentlich sollte man dem Stau ein Denkmal setzen oder ein Museum bauen. Das muss natürlich irgendwo im Ruhrgebiet oder am Kölner Ring stehen – da, wo es sich sowieso dauernd staut. Da könnte man schön zeigen, wie sich das nach und nach mit uns und dem Stau verändert hat. Bis in die 80er Jahre hinein war Stau ja etwas, was man unbedingt vermeiden wollte. Ewig lange Umwege haben wir in Kauf genommen, vor Angst, irgendwo auf der Autobahn stehenbleiben zu müssen.

Und heute? Wir in Nordrhein-Westfalen sind Stauland Nummer 1. Seit Jahren beständig. Stau fängt für uns erst bei "Plus zehn Minuten" an und selbst das Navi im Auto fährt inzwischen öfter mitten durch den Stau statt über die rumpelige Umleitung, die dann am Ende auch nicht schneller ist. Doch irgendwie haben wir gelernt, mit dem Stau zu leben.

Zu Beginn der Corona-Pandemie letztes Jahr gab es ja mal deutlich weniger Staus. War auch nicht richtig, hat sich komisch angefühlt. Ein bisschen so wie der lästige Onkel, der jeden Morgen ungefragt auf der Matte steht und sich sein Frühstücksbier abholt. Oft haben wir ihm gesagt: "Du musst nicht jeden Tag wiederkommen." Aber wenn er dann auf uns hört und nicht mehr kommt, fehlt uns auch irgendwas.

Können wir dem Stau irgendwas Positives abgewinnen? Vielleicht das: Viele Menschen, die mit dem Auto oder LKW von A nach B unterwegs sind, das zeigt ja auch, hier passiert was. Wir sind nicht nur Stauland Nummer 1, sondern auch in Sachen Wirtschaftsstandort ganz vorne mit dabei.

Läuft bei uns in Nordrhein-Westfalen. Auch wenn's manchmal steht.

Stand: 23.04.2021, 13:10