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Kommentar: Wie umgehen mit Urlaubsrückkehrern?

Urlaub in Frankreich

Kommentar: Wie umgehen mit Urlaubsrückkehrern?

Von Katja Schwiglewski

Halbzeit in den NRW-Sommerferien – der erste Schwung von Urlaubern ist inzwischen wieder zu Hause. Reiserückkehrer aus erklärten Risikogebieten wie der Türkei, Ägypten, aber auch Luxemburg müssen in eine 14-tägige häusliche Quarantäne, wenn sie keinen negativen Corona-Test vorweisen können. Doch viele Kommunen können die nötigen Kontrollen gar nicht leisten. Nicht nur, dass ihnen die entsprechenden Reisedaten fehlen. Auch fehlen die Ressourcen, die Gesundheitsämter laufen am Limit.

Kommentar: Wie umgehen mit Urlaubsrückkehrern?

WDR 4 Zur Sache 21.07.2020 02:09 Min. Verfügbar bis 21.07.2021 WDR 4

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Kürzlich war ich einige Tage in Prag und Wien, schöne Städte, die von NRW aus mit dem Auto zu erreichen sind. Fliegen ist mir zu riskant im Moment. Tschechien wie auch Österreich gelten nicht als Risikoländer für Corona bzw. Covid 19. Deshalb hatte ich mich dazu durchgerungen, obwohl mir das Virus das Reisen an sich madig gemacht hat. Aber ich brauchte mal einen Tapetenwechsel, dieses eingeschränkte Corona-Leben macht auf Dauer mürbe. Im Nachhinein muss ich aber zugeben, dass mich die Reise zu unseren europäischen Nachbarn verwirrt hat.

Prag war vergleichsweise leer, das mit dem Abstand im öffentlichen Raum also nicht das Problem. Aber Masken hat dort kein Mensch getragen, außer in der Straßenbahn. In den Geschäften und am Frühstücksbuffet mitunter munteres Gedrängel. In Wien wurden noch nicht einmal die Abfalleimer im Hotelzimmer geleert, geschweige denn die Betten gemacht, Handtücher gewechselt oder das Bad geputzt – angeblich Kurzarbeit wegen Corona. So wird Hygiene zur Glückssache. Gleichzeitig wurden jedem Gast morgens eigenes Vorlegebesteck und ein persönliches Brotkörbchen ausgehändigt. Dann wiederum Chaos im Museum, wo es nach monatelangem Lockdown drunter und drüber ging und sich mehrere Führungen mit ihren Gruppen in ein und demselben Raum knubbelten.

Der Eindruck von Kraut und Rüben bei den Vorschriften und Vorsichtsmaßnahmen hat sich auch zu Hause bei mir weiter verstärkt. Manches wird streng gehandhabt, anderes lässt man laufen, als gäbe es Corona gar nicht. Vieles ist gar nicht zu kontrollieren. Welche Sicherheit geben Corona-Tests an Flughäfen? Das sind doch nur Momentaufnahmen. Inkubationszeiten und neue Kontakte im nächsten Augenblick können alles verändern. Welche Sicherheit vermitteln Abertausende von Protokollen mit Kontaktdaten in der Gastronomie, wenn die Behörden kaum Kapazitäten haben, die Daten auszuwerten? Am Ende müssen wir die Verantwortung in Sachen Infektionsschutz für uns selbst übernehmen - bis der Impfstoff da ist. Die vielen Widersprüchlichkeiten sollten uns dabei nicht irritieren.

Stand: 21.07.2020, 13:10