Kommentar: Ein Urlaub kann sehr tückisch sein

Ein Mann trinkt einen Kaffee

Kommentar: Ein Urlaub kann sehr tückisch sein

Von Ferdinand Quante

Es sollen die schönsten Wochen des Jahres werden, die anregendsten, erholsamsten, friedlichsten, und dann passieren ausgerechnet im Urlaub Sachen, die einen völlig aus der Fassung bringen. Ja, in die Ferne reisen kann unglaublich tückisch sein.

Kommentar: Ein Urlaub kann sehr tückisch sein

WDR 4 Zur Sache 14.08.2019 02:11 Min. Verfügbar bis 13.08.2020 WDR 4

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Und ich rede jetzt nicht vom Abenteuerurlaub im Himalaya mit plötzlich aufkommenden Schneestürmen auf der Nordroute des Mount Everest oder von Todesangst angesichts eines jäh durchs Unterholz brechenden Jaguars im brasilianischen Regenwald. Was ich erlebt habe, war ein paar Nummern kleiner und doppelt so schlimm.

Es gab nämlich keinen Kaffeefilter. Ich habe den Wohncontainer komplett durchsucht. Vollausstattung stand auf der Internetseite, und dann das. Ein Morgen ohne Kaffee ist so gut wie ein Vollbad ohne Wasser, ich saß wirklich auf dem Trockenen, in Norfolk in England. Angeblich habe ich laut, sehr laut geflucht, erst über die Wohncontainerküche, dann über den Wohnparkbetreiber, dann über das Vereinigte Königreich, und am Ende verfluchte ich mich selbst, weil ich's doch hätte wissen müssen, dass in einem Land, wo zehnmal täglich Teatime ist, Kaffeefilter völlig sinnlos sind. Das mit der Vollausstattung war also nicht mal gelogen, aber der Urlaub praktisch im Eimer.

Frage an alle: Warum fährt der Mensch so gerne weg? Weil er Neues sehen, das Unbekannte erleben will? Oder fährt er los in der Hoffnung, dass in der Fremde möglichst alles genauso ist wie zu Hause?

Aus beiden Gründen zugleich, würde ich mal sagen, jedenfalls ist das für mich Durchschnittstouristen so. Ich wollte mit dem Rad durch eine mir unbekannte Landschaft über unbekannte Wege fahren, unbekannte Menschen kennenlernen, unbekannte Biere trinken und morgens einen verdammt bekannten Kaffeefilter benutzen, um nicht für den Rest des Tages ein mürrischer Zombie zu sein.

Was ich dann zum Glück auch nicht war. In der Wohncontainerküche gab es so ein Kunststoffsieb, das man zum Nudeln abschütten nimmt, zum Salate waschen und so weiter. Da habe ich jeden Morgen die Filtertüten, die ich natürlich dabeihatte, reingestellt. War ein bisschen knifflig, weil ich sie am oberen Rand festhalten musste, während ich gleichzeitig heißes Wasser hineingoss.

Tja, auch wenn's keine Schneestürme und angreifenden Jaguare gab, ist England doch wahnsinnig aufregend und exotischer als Nepal und Brasilien sowieso.

Stand: 14.08.2019, 13:10