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Trinkwassermangel in NRW

Ein Glas wird mit Trinwasser befuellt

Trinkwassermangel in NRW

Von Katja Schwiglewski

Durch die Hitzewelle wird in Teilen Nordrhein-Westfalens das Trinkwasser knapp. Betroffen sind der Norden von Ostwestfalen-Lippe und das Westmünsterland. Dort sind die Bürger aufgerufen, Wasser zu sparen. Sie sollen aufhören, ihre Gärten und Pools zu bewässern, sonst fließt in zwei Tagen kaum noch Wasser durch die Leitungen, warnt der örtliche Versorger. Wie bitte? fragt Katja Schwiglewski. Wir sind doch hier nicht in Ägypten!

Trinkwassermangel in NRW?!

WDR 4 Zur Sache 27.06.2019 02:22 Min. Verfügbar bis 26.06.2020 WDR 4

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Zwei Jahre lang bin ich aus persönlichen Gründen regelmäßig nach Ägypten geflogen. Beim Landeanflug auf Kairo oder Alexandria erstreckte sich ein riesiges Beige-Grau unter mir. Staubtrockene Wüstenlandschaften und die ausufernden Steinwüsten der glutheißen arabischen Mega-Cities. Kein Grün weit und breit. Beim Rückflug über Köln/Bonn ein ganz anderes Bild: Tiefgrüne Wälder und satte Wiesen, eine kraftstrotzende Vegetation, wohin das Auge auch reicht – das ist Deutschland, das ist NRW. Kein Wunder, dass unsere ägyptischen Gäste vor allem einen Waldspaziergang machen wollten. So etwas kennen sie von Zuhause nicht.

Deutschland hat große natürliche Wasserressourcen, das ist offensichtlich. Und: Wir nutzen weniger als 20 Prozent unseres vorhandenen Trinkwassers. Deshalb irritiert es mich, wenn Versorgungsunternehmen nach ein paar Tagen Hochsommerwetter den Teufel an die Wand malen und damit drohen, uns den Wasserhahn abzudrehen. Für mich klingt das schwer nach einem Infrastrukturproblem der regionalen Wasserwirtschaft in NRW.

Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass die Pooldichte in Westfalen ernsthaft ein Problem ist. In den kalifornischen Reichenvierteln von Beverly Hills mag das der Fall sein. Aber in Vreden, Stadtlohn und Südlohn??? Die Gärten vertrocknen zu lassen, finde ich wiederum problematisch. Wir brauchen unsere grünen Lungen, auch vor der Haustür. Dass überall mehr und mehr Flächen versiegelt werden, ist doch eine Krux. Da lobe ich mir jeden, der sich für Beete und Wiesen statt Betonplatten und Pflastersteine entscheidet. Und alles Lebendige verlangt nun einmal nach Wasser.

Natürlich kann man sich fragen, ob zur Gartenbewässerung Trinkwasser verwendet werden muss. Eine große Zisterne, in der über Monate Regen- oder Nutzwasser gesammelt wird, wäre sicher besser. Nicht jeder starke Baum muss täglich bewässert werden, so wie sich ein vertrockneter Rasen ja auch schnell wieder erholt. Grundsätzlich bin ich immer für einen sparsamen, bewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen, mit Wasser im Speziellen. Wir sollten es auf keinen Fall verschwenden, auch mit Blick auf die Zukunft. Der Klimawandel wird auch hierzulande nicht folgenlos bleiben. Der Verzicht auf das eigene Planschbecken ist da wahrlich zu verschmerzen, zumal Vreden und Stadtlohn ihren Bürgern am Wochenende freien Eintritt in die öffentlichen Freibäder versprochen haben.

Stand: 27.06.2019, 13:10