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Kommentar: Der allertreuste Gladbach-Fan

Fans von Borussia Mönchengladbach mit großer Fahne des Wappens beim Spiel gegen Hoffenheim am 22.02.20

Kommentar: Der allertreuste Gladbach-Fan

Von Ferdinand Quante

Das ist mal ein echter Fan. Vor drei Wochen stellte Alexander Bommes in seiner Quizshow "Gefragt – Gejagt" einem Kandidaten eine Frage, auf die die richtige Antwort "1. FC Köln" gewesen wäre. Der Mann kannte die Antwort zwar, wollte sie aber nicht aussprechen. Nicht als wahrer Fan von Borussia Mönchengladbach. Für kein Geld der Welt, wie er sagte. 500 Euro ließ er damit liegen. Jetzt hat sich sein Verein Borussia bei ihm gemeldet und möchte ihn für seine Standhaftigkeit belohnen.

Kommentar: Der allertreuste Gladbach-Fan

WDR 4 Zur Sache 29.07.2020 02:25 Min. Verfügbar bis 29.07.2021 WDR 4 Von Ferdinand Quante

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Für kein Geld der Welt? Na, ich weiß nicht. Bei einer runden Million, angeboten in einer finsteren Ecke, wäre er vielleicht doch schwach geworden. Aber im gleißenden Licht eines Fernsehstudios und vor laufender Kamera konnte dieser Mann wohl nicht anders. Er hat ein bisschen Geld verloren, soll aber bald für sein eisernes Schweigen von den Chefs der Gladbacher Borussia belohnt werden. Der wahre Gladbach-Fan ist er jetzt, treu und unbeugsam, und damit in bester Gesellschaft.

Laut Bibel hat ja einst der Herr Jesus dem Teufel widerstanden, als der ihm ganze Weltenreiche versprach, würde er nur niederknien und ihn, den Teufel, anbeten. Weltenreiche waren's zwar nicht, sondern bloß 500 Euro, die dem Gladbach-treuen Kandidaten winkten, aber der Versuchung widerstanden hat auch er.

Ich weiß, etwas heikel, dieser religiöse Vergleich. Ich ziehe ihn aber auch nur, weil Fußball und Glaube so mächtig ineinandergreifen. Der wahre Fan glaubt an seinen Verein, bedingungslos. Muss er auch. Er hat ja als wahrer Fan nur einen, und den ein Leben lang. Treue ist da nur logisch.

Was ja nicht nur heißt, dem Verein auch in den bittersten sportlichen Momenten brav die Stange zu halten. Die Treue, und jetzt wird's militärisch, zeigt und bewährt sich angesichts, na, ich sag jetzt nicht des Feindes, aber halt angesichts eines rundum ungeliebten Rivalen. Und ungeliebter als der 1. FC Köln ist dem wahren Gladbach-Fan wohl nichts auf der Welt. Nicht mal den Namen wollte der Mann aussprechen.

So radikal war früher nicht einmal der gläubige Christ. Um nicht das Wort Teufel in den Mund zu nehmen, sprach er vom Gottseibeiuns und dem Leibhaftigen. Vom Quizkandidaten dagegen nichts. Kein Wort.

Wenn die Vereinsoberen von Borussia Mönchengladbach den Mann dafür belohnen wollen, dann heißt das, sie finden genau dieses Verschweigen richtig gut. Und eigentlich müssten sie ihrem treuesten Fan dann auch darin treu folgen.

Ja, und das dürften dann bestimmt lustige Interviews werden, wenn Manager und Trainer am Spieltag gegen den 1. FC Köln mitten im Satz plötzlich verstummen. Oder mit einer Tröte in der Hand das verbotene Wort übertönen.

Macht das. Bitte. Es wär zu schön.

Stand: 29.07.2020, 13:10