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Kommentar: Rote Karte für Tönnies und Co.

Clemens Tönnies von dem FC Schalke 04

Kommentar: Rote Karte für Tönnies und Co.

Von Irene Geuer

Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies ist in den Schlagzeilen. Der Mann ist ja auch Großmetzger und hatte beim Tag des Handwerks als Festredner Steuererhöhungen fürs Klima kritisiert. Statt solcher Steuern sollte man lieber Kraftwerke in Afrika finanzieren. Und, jetzt kommt's: Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen und "sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren", so Tönnies. Was folgte, war Kritik, die sich aber auch nach einer Aufforderung anhört.

Kommentar: Rote Karte für Tönnies und Co.

WDR 4 Zur Sache 05.08.2019 01:58 Min. Verfügbar bis 04.08.2020 WDR 4

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Clemens Tönnies muss klar sein, dass er den Job im Fußball los ist. Und wenn er es wirklich verstanden hat, dann wartet er nicht, bis er vom Platz gestellt wird, sondern geht selbst.
Denn wenn ich richtig verstanden habe, dann war ihm die Unverschämtheit seiner Worte gar nicht selbst aufgefallen. Erst nach entsetzten Reaktionen soll ihm aufgegangen sein, was er da von sich gelassen hat.
Das war mehr als ein dummer Spruch, hat Profifußballer Otto Addo erklärt. Der hat unter anderem bei Borussia Dortmund gespielt. Und er ist einer von vielen, vielen Spielern mit afrikanischen Wurzeln, die unseren Fußball in Deutschland bereichert haben. Heute ist Addo sehr im Kampf gegen Rassismus engagiert. Und er verurteilt das Gedankengut hinter Tönnies' Worten. Da gebe ich ihm Recht, es rutscht einem nicht einfach mal eben so ein Spruch raus. Das war kein Versprecher.
Und doch gibt es auch die, die fragen, ob man wirklich für alles, was nicht lupenrein politisch korrekt ist, gleich lebenslang bekommen muss. So nach dem Motto: Was ist denn schon passiert? Alter weißer Mann macht Mund auf und wieder zu. Und er hat sich doch entschuldigt…
Ja, stimmt. Tönnies hat sich entschuldigt. Aber das reicht nicht. Rassistisches Gerede ist ja nicht nur verletzend und fremdenfeindlich, es ist ein Brandbeschleuniger. Worten folgen Taten, das sehen wir gerade in den USA. Ein Präsident äußert sich rassistisch und in der Bevölkerung finden sich die, die seine Worte umsetzen. Das sehen wir auch in Deutschland, wenn Parteien wie die AfD einfach die Kriminalstatistik umdeuten, um so Ängste zu schüren. Das ist fatal.
Aber zurück zu Clemens Tönnies. Er ist Repräsentant des Fußballs. Und der hat nun mal, was das Miteinander angeht, absolute Vorbildfunktion. Man spricht einfach so nicht über andere. Deshalb muss er gehen.

Und er kann sich anderem widmen. Sein Grundgedanke soll ja gewesen sein, dass man in Afrika groß investieren müsse, um den Kontinent voran zu bringen. Das habe er eigentlich sagen wollen. Nun, er kann beweisen, dass er das so gemeint hat. Sein Vermögen wird auf 1,7 Milliarden US-Dollar geschätzt. Genug, um Worten sinnvolle Taten folgen zu lassen.

Stand: 05.08.2019, 13:10