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Kommentar: Neues Tierwohllabel

Um das staatliche Tierwohllabel stehen Tiermodelle herum.

Kommentar: Neues Tierwohllabel

Von Ferdinand Quante

Lange Zeit zählte beim Fleischkauf allein der Preis. Im Lauf der letzten Jahre ist etwas anderes hinzugekommen: das Tierwohl. Unter welchen Bedingungen haben Schweine, Rinder und Geflügel gelebt? Massentierhaltung oder Biohof? Die großen deutschen Supermarktketten wollen ihre Kunden darüber aufklären, indem sie ab April Fleischprodukte mit Tierwohl-Kennzeichnungen versehen. Werden wir dann wirklich wissen, ob das Hackfleich im Kühlregal vom armen Schwein stammt oder einem glücklichen Rind?

Kommentar: Neues Tierwohllabel

WDR 4 Zur Sache 14.01.2019 02:16 Min. WDR 4

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Mein erster Blick geht aufs Preisschild. Ist eine alte Angewohnheit, und natürlich eine ziemlich schlechte und dumme, weil ich ja weiß, dass Billigfleisch in der Regel Qualfleisch ist, produziert aus Tieren, die von der Geburt bis zum Schlachthof ein erbärmliches Leben hatten.

Stünde Tierwohl bei mir an oberster Stelle, müsste ich Vegetarier werden, nur esse ich Currywurst einfach zu gerne. Ein bisschen bemühe ich mich zwar und lasse Billigfleisch häufiger als früher im Kühlregal liegen, aber moralisch gesehen stehe ich immer noch mit einem Bein auf der dunklen Seite, genau wie die Supermärkte, die ab April eine Tierwohl-Kennzeichnung bieten. Denn es ist doch seltsam, dass Supermärkte sich um das Tierwohl besorgt zeigen, Billigfleisch aber weiterhin verkaufen. Und noch seltsamer ist, dass sie von jedem verkauften Kilogramm Fleisch knapp sechs Cent an die "Initiative Tierwohl" abführen wollen. Von jedem Kilogramm, was ja bedeutet, dass ich künftig mit dem Kauf von Qualfleisch irgendwie zugleich das Tierwohl finanziere.

Nun, die geplante Kennzeichnung hat jedenfalls vier Kategorien. Kategorie 1 ist Stallhaltung auf Mindestniveau, heißt, den Tieren ging’s dreckig. Kategorie 2 hat die Bezeichnung "Stallhaltung Plus", soll sagen, die Tiere hatten mehr Platz. Dieses "mehr" hilft mir am Kühlregal natürlich auch nicht weiter, denn vielleicht hatte die Box, in dem das arme Schwein sein Leben fristen musste, nur ein paar Zentimeterchen mehr als die allerkleinsten Schweineboxen im Lande, und dann wäre "Stallhaltung Plus" so gut wie gelogen und ich schön blöd, wenn ich das Hackfleisch kaufen würde. Bei Kategorie 3 kommt zu mehr Platz noch, Zitat, "Kontakt zu Frischluft" hinzu. Ein kleines Kippfenster in einem Riesenstall, ist vielleicht so was damit gemeint? Kategorie 4 ist die Spitzenklasse: genügend Platz, genügend Frischluft plus Auslaufmöglichkeiten im Freien.

Fazit: Vier Kategorien brauch’ ich nicht. Mir würden zwei Farben reichen. Ein grünes Schildchen für beste Lebensbedingungen der Tiere und ein rotes für alles, was schlechter ist. Jeweils gut sichtbar neben dem Preisschild platziert, damit ich Fleisch nicht einfach gedankenlos kaufe.

Stand: 14.01.2019, 13:10