Live hören
Jetzt läuft: Don't worry, be happy von Bobby McFerrin
Hundewelpen in einem Tierheim

Kommentar: Tiere sind doch keine Sachen

Stand: 21.01.2022, 13:10 Uhr

Unsere Tierheime sind so voll wie nie zuvor, der Grund dafür ist wohlbekannt: die Corona-Pandemie. Weil der Alltag häufig stillstand, Sportveranstaltungen ausfielen, Kinos und Spielplätze geschlossen waren und gelangweilte Kinder sich nach Abwechslung sehnten, wurden reihenweise Hunde oder Katzen angeschafft. Leider ist die Tierliebe nicht immer so groß, wie sie sein sollte und deshalb landeten und landen viele Vierbeiner im Tierheim. Schön ist das nicht.

Von Ferdinand Quante

Kommentar: Tiere sind doch keine Sachen

WDR 4 Zur Sache 21.01.2022 01:51 Min. Verfügbar bis 21.01.2023 WDR 4 Von Ferdinand Quante


Download

Der kleine Knut. Sie erinnern sich bestimmt an das Eisbärbaby im Berliner Zoo, unendlich drollig und umschwärmt wie ein Hollywood-Star. Knut sehen und "Oh, wie süß" sagen war praktisch eins. Damals konnte man glatt glauben, die halbe Menschheit würde für den kleinen Bären durchs Feuer gehen und dass da draußen in der sonst so kalten Welt die Herzen für Tiere heiß und heftig schlagen.

Das tun sie tatsächlich, ja. 10 Millionen Hunde, 17 Millionen Katzen – doch, die Deutschen sind anscheinend supertierlieb. Als Kind habe ich meinen vom Auto überrollten Dackel lange beweint, Knut fand ich auch herzerwärmend niedlich und das Schweineschnitzel schmeckt mir richtig gut. Bin ich ein Tierfreund?

Ich denke schon und zwar einer von der durchschnittlichen Sorte, also einer, der für die Laborratte weniger übrig hat als für einen knopfäugigen Hamster. Das heißt, es geht hier um den Streichelfaktor: Je eher ich geneigt bin, ein Tier zu berühren, desto größer meine Anteilnahme. Wobei aber einfach grundsätzlich gilt: Tiere sind keine Sachen.

Obwohl einige, womöglich viele, ja so behandelt werden. Der nicht mehr genehme Hund landet oft genug in Tierheim oder Straßengraben. Für den Straßengraben gibt es keine Entschuldigung, und den Hund im Tierheim entsorgen, weil er einem gerade nicht mehr passt, ist auch nicht viel besser. Ein Labradorwelpe verliert halt nach und nach seine Putzigkeit, braucht dauerhaft Pflege, kostet Zeit und Geld. Ist keine so große Überraschung, oder? Das kann man schon vorher wissen.

Und ich könnte durchaus noch mal nachdenken, über Tierliebe an sich und mein Verhältnis zu Eisbär Knut im Lichte von Laborratten und Schweineschitzel.